Kritik zu Nightlife

© Warner Bros. Pictures

Nach »Willkommen bei den Hartmanns« bescherte Regisseur Simon Verhoeven mit dieser Berlinlastigen Krimikomödie über zwei verpeilte Barkeeper dem deutschen Kino ein frühes Jahreshoch

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Ein Fahrradausflug mit der zukünftigen Familie, so lautet das neue Mantra der Freunde Milo und Renzo. Ziemlich von Filmbeginn an machen sich die beiden klar, dass sie von ihrem Lotterleben als virtuose und von Frauen umschwärmte Barkeeper in einer Berliner Bar genug haben. Als Milo kurz darauf die patente Sunny kennenlernt, hat er auch schon die passende Partnerin im Fokus. Der rote Faden ist hier also nicht wie so oft die Dressur lässiger Junggesellen zu verantwortungsbewussten Familienvätern. Vorherrschend ist die Dringlichkeit, binnen zweier Tage gleichzeitig Geld für ein eigenes Unternehmen aufzutreiben und Sunny bei einem Date davon zu überzeigen, nicht demnächst die neue Stelle im fernen Amerika anzutreten.

Milos Plan, bei seinem Schritt ins bürgerliche Leben eine eigene Bar aufzumachen und mit dieser Aussicht eine smarte Frau für sich einzunehmen, ist zwar eine typisch filmisch-unglaubwürdige Prämisse. Als Startschuss für eine amüsante Hatz durchs Berliner Nachtleben ist sie aber gut genug. Denn da eine Kreditaufnahme trotz des freundlich-spießigen Bankangestellten Heiko wegen Renzos Vorstrafe nicht klappt, will dieser das Geld mit einem klitzekleinen letzten Drogenschmuggel beschaffen. Der mit Koks beladene Lieferwagen kommt ihm jedoch abhanden. Der Versuch, den Schaden zu beheben, führt, abyssus abyssum invocat, dazu, dass neben russischen Gangstern bald weitere Totschläger hinter den Freunden her sind und auf sie in der gesamten Berliner Unterwelt ein Kopfgeld ausgesetzt wird. Weil Milo, der die verpeilten Aktionen seines Kompagnons mit ausbaden muss, trotzdem auf seinem Date beharrt, wird auch Sunny zur Gejagten.

In einem Drehbuch, das von ferne an John Landis' »Kopfüber in die Nacht« und auch an den deutschen Film »Victoria« (mit Frederick Lau) erinnert, werden Charaktere und Ereignisse unerwartet clever und temporeich miteinander verquickt und zum Happy End der Knoten krimineller Verstrickungen auf genial simple Weise durchtrennt. Neben dem Hauptdarstellerduo – Elyas M'Barek als Sympathieträger Milo und Frederick Lau als tölpelhafter Renzo, die bereits in »Das perfekte Geheimnis« harmonierten – erfreuen witzige Nebendarsteller. Regisseur Simon Verhoeven (»Männerherzen«) beweist erneut sein Faible für Gaga-Dialoge und andere Kapriolen, die ihre Existenz schlicht dem reinen Spaß an der Freud' zu verdanken scheinen, wie etwa der Musikvideoclip eines bayerischen »Bachelor«-Trios (mit einem Verhoeven-Cameo). Mit der Odyssee durch Berliner Partyszenen, darunter ein Spieleabend und ein Tanzlokal, wird auch atmosphärisch etwas geboten. Das Geheimnis des Erfolgs ist hier wie bei Verhoevens vorigen Komödien ein Händchen für Takt und Timing: die Inszenierung ist burlesk, aber nicht zu platt; sie ist, obwohl 'rauf und 'runter Schlager gespielt wird, nicht mit Musik überfrachtet; sie ist nicht zotig, und vor allem nie wichtigtuerisch. So wird in diesem Crossover aus Romanze und Krimikomödie zwar nicht das Rad neu erfunden. Erfrischend, nicht nur im Maßstab des deutschen Filmwesens, ist die Leichtfüßigkeit dieser drei unfreiwilligen Nachtschwärmer aber dennoch.

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