Kritik zu Mrs. Taylor's Singing Club

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Als ihre Männer nach Afghanistan einberufen werden, gründen mehrere ­Soldatenfrauen eine Gesangsgruppe, die es bis in die Royal Albert Hall schaffen soll. Peter Cattaneo (»Ganz oder gar nicht«) inszeniert das als versöhnliches Wechselspiel aus Ehrgeiz, Zwist und Rückschlägen

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Der Abspann ist sehr schön. Er reiht die Filmheldinnen in die Riege ihrer realen Vorbilder ein. Diese vermehren sich, dank Split-Screen-Technik, vor unseren Augen: 75 Military Wives' Choirs gibt es inzwischen weltweit in britischen Kasernen. Die Sängerinnen geben sich temperamentvoll und vergnügt in dieser Montage: ein Kaleidoskop überschäumender Daseinsfreude.

Ihr Ziel hat die Wohlfühlkomödie zu diesem Zeitpunkt längst erreicht. Aber es macht Spaß zuzusehen, wie sie dies noch einmal besiegelt. Regisseur Peter Cattaneo kehrt mit ihr, nach langen Jahren der Fernseharbeit, ins Kino zurück. Er knüpft routiniert an »Ganz oder gar nicht« an, mit dem er 1997 jene Spielart der Brit-Com begründete, in der eine Ansammlung von Underdogs sich zusammenschließt, um einen sozialen Mangel (Arbeitslosigkeit, fehlende Zukunftsperspektiven) munter zu parieren. Wer »Brassed Off«, »Calendar Girls« und andere gesehen hat, weiß genau, was ihn in »Mrs. Taylor's Singing Club« erwartet: Eine lädierte Gemeinschaft darf wieder ein Gefühl der Ermächtigung empfinden.

Das Drehbuch von Rosanne Flynn und Rachel Tunnard besteht jedoch da­rauf, dass der Weg zum Erfolg steinig sein muss. Er ist mit Zwist und Rückschlägen gepflastert. Als ihre Männer 2001 nach Afghanistan einberufen werden, müssen die Frauen in der Flitcroft-Kaserne die entstandene Alltagsleere füllen. Ihr morgendlicher Kaffeeklatsch soll einen neuen Elan bekommen. Fürs Häkeln sind sie allesamt nicht geschaffen, da bricht sich die Idee Bahn, gemeinsam zu singen. Zwei der Strohwitwen ringen um die Befehlsgewalt: Kate (Kristin Scott Thomas), die Frau eines Colonels, und Lisa (Sharon Horgan, den Zuschauern britischer TV-Serien wie »Catastrophe« wohl vertraut), deren Mann Stabsfeldwebel ist. Kate ist ein dirigistischer, stets angespannter Snob. Lisa zieht einen Laissez-faire-Führungsstil vor, allerdings gefriert ihr Lächeln zusehends angesichts der kühlen Herrschsucht ihrer Rivalin. Ihr Tauziehen ist eine Frage der Definition und gegensätzlicher Prinzipien: Chor versus Gesangsverein, Erbauung versus Spaß. Kate würde gern ein klassisches Repertoire einüben, das die Sängerinnen fordert; Lisa zieht vertraute Popsongs vor. Aus dieser Reibung zwischen Strenge und Nonchalance entsteht etwas, das ihrer beider Vorstellungen übertrifft: Die Gesangsgruppe wird eingeladen, bei einer Gedenkfeier in der Royal Albert Hall aufzutreten.

Selbstverständlich lernen die beiden Streithähne noch gerade rechtzeitig, an einem Strang zu ziehen. Die Energie für ihr Projekt erwächst ohnehin aus dem Inneren der Gruppe. Eine der Sängerinnen ist ungeheuer talentiert und spornt die anderen kräftig an. Derweil kommen aus Afghanistan beunruhigende Nachrichten, auch eine entsetzlich traurige. Cattaneo entwickelt ein hinreichendes Gespür für Verlust und Trost. Für seine Heldinnen steht mehr auf dem Spiel als nur Zerstreuung. Die formelhaft drapierten Konflikte lösen sich im wohldosierten Wechsel von Jubel und Wehmut auf. Der Gag über »Rocky 3« ist fabelhaft.

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