Kritik zu Meine Frau, unsere Kinder und ich

© Paramount Pictures

Die Mutter aller Böser-Schwiegervater-Witze geht in die dritte Runde: Statt Jay Roach führt Paul Weitz (»American Pie«, »Reine Chefsache«) Regie

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Das deutsche Plakat zeigt Ben Stiller und Robert De Niro auf Konfrontationskurs, das ist der Kern des dritten Focker-Films, alles andere ist nur Beiwerk in diesem irreführend betitelten Film. Man erinnert sich: In »Meine Braut, ihr Vater und ich« musste sich Gaylord Focker (Stiller) nicht nur den bohrenden Fragen seines Schwiegervaters in spe unterziehen – der ehemalige CIA-Mitarbeiter Jack (De Niro) schloss ihn auch höchstpersönlich an einen Lügendetektor an. In der Fortsetzung »Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich« kollidierte dann anlässlich der Hochzeit von Gaylord und Pam die libertäre Alt-Hippie-Lebenseinstellung von Gaylords Eltern mit den rigiden Vorstellungen von Pams Vater.

Im dritten Film des Franchises hat Paul Weitz als Regisseur Jay Roach abgelöst und sorgt dafür, dass der Humor stärker unter die Gürtellinie zielt. Trotz Filmen wie »About A Boy« oder »Reine Chefsache« erweckt er damit den Eindruck, er habe sich zurückentwickelt zu seinem Regiedebüt mit »American Pie«. Vielleicht war es aber auch der Misserfolg seines vorangegangenen Films »Cirque du Freak – Mitternachtszirkus«, der das potenzielle Franchise einer mehrbändigen Buchserie nach nur einem Film begrub.

Zu Beginn schlägt der Film noch einige leisere Töne an, wenn Jack in Anbetracht zunehmender Herzattacken das Erbe der Familie in die Hände des Schwiegersohnes legen will. Der missversteht seine neue Rolle als »Godfocker« (natürlich zu der Musik aus »The Godfather«, dem »Paten«) gleich dahingehend, seinem vierjährigen Sohn zu demonstrieren, wer der Herr im Haus ist und zwingt ihn, seinen Teller leer zu essen – doch dafür folgt die Strafe auf dem Fuß.

Die prekäre finanzielle Situation veranlasst Gaylord, sich als Fürsprecher für ein neues Potenzmittel zu verdingen. Das Mittel, besonders für Männer mit Herzproblemen geeignet, findet den Weg in Gaylords Haus und damit zu seinem Schwiegervater, der ihn fortwährend beobachtet. Das führt zur unangenehmsten Szene des Films und der Frage: Was hat Robert De Niro veranlasst, einen Mann zu spielen, der – nach Einnahme des Potenzmittels – eine mehrstündige Erektion hat? Was ist bloß mit unseren Idolen aus den Siebzigern und Achtzigern los? Wer den Robert De Niro von »Taxi Driver« liebt, sollte um diesen Film einen großen Bogen machen.

Auch sonst wirkt »Meine Frau, unsere Kinder und ich« so, als würde jeder nur die Rolle abrufen, auf die er ein Patent hat, Stiller darf seine Neurosen ausleben, Owen Wilson den Freak geben (was er, zugegebenermaßen, wie immer hinreißend macht) und Jessica Alba einmal mehr die Verführerin, während Barbra Streisand und Dustin Hoffman (in eher kurzen Auftritten) ihre Rollen als Stillers Eltern aus dem vorangegangenen Film wiederholen. Es gibt eine Hommage an »Der Pate« und eine an »Der weisse Hai« – aber der Moment, in dem Robert De Niro und Harvey Keitel nach 13 Jahren auf der Leinwand wieder zusammentreffen, wird total verschenkt. Ein Trauerspiel, in jeder Hinsicht.

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