Kritik zu Matti und Sami und die drei größten Fehler des Universums

© Universum Film

2018
Original-Titel: 
Matti und Sami und die drei größten Fehler des Universums
Filmstart in Deutschland: 
19.04.2018
Musik: 
L: 
94 Min
FSK: 
keine Beschränkung

Lügen, Vertrauensbrüche und andere Familienverbrechen: Stefan Westerwelle verfilmt den erfolgreichen Kinder- und Jugendroman von Salah Naoura

Bewertung: 3
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Lügen haben lange Beine, diese Umdeutung des Sprichwortes trifft in jedem Fall auf Mattis Lüge zu. Er fälscht eine Benachrichtigung, dass die Familie ein Haus in Finnland gewonnen hat, und nach dem ersten ungläubigen Staunen der Eltern ändert sich in sehr kurzer Zeit einfach alles. Die so häufig streitenden, weil gestressten Eltern sehen einen Hoffnungsstreifen am Himmel und glauben, ihre finanziellen und arbeitsbedingten Probleme endlich lösen zu können. Sie kündigen ihre Jobs, lösen den Haushalt auf und ziehen mit dem 10-jährigen Matti und seinem 5-jährigen Bruder Sami nach Finnland. Mattis Lüge hält also ziemlich lang, und erst als die Familie dem Hausbesitzer gegenübersteht, muss Matti bekennen, dass alles eine einziger großer Schwindel war. Aber da sind Arbeitsplätze, die Wohnung und das Zuhause schon lange perdu.

Wie konnte es nur so weit kommen? Das erklärt uns Matti aus dem Off. Denn bis zu dieser fatalen Erfindung eines Hausgewinns geschehen drei Fehler des Universums, die erklären, warum sich Matti nicht mehr an die Regeln hält, die er als selbstverständlich im Zusammenleben der Familie voraussetzte. Sein Grundvertrauen gerät ins Wanken, als Matti erkennt, dass seine Eltern mehr als einmal Notlügen bemühten, um Dinge durchzusetzen und ihre Kinder zu täuschen. Nun ist es genug, beschließt Matti, das kann er auch, also kopiert er das schöne finnische Haus aus einer Urlaubsanzeige, weil er unbedingt einmal nach Finnland, in die Heimat seines Vaters, will. Absurderweise kommt er dann nicht mehr aus seinem Lügenkonstrukt heraus, auch nicht als er bemerkt, welch gigantische Konsequenzen dies nach sich zieht.

Das gleichnamige Buch von Salah Naoura ist ein Bestseller. Da die Geschichte zur Hälfte in Finnland spielt, lag eine deutsch-finnische Koproduktion nahe, um den Film zu realisieren, vor Ort in Kokkola gedreht und mit dem bekannten finnischen ­Schauspieler Tommi Korpela, der für seine Vaterrolle extra Deutsch gelernt hat. Trotz diesem Bemühens um Authentizität bleiben doch einige Fragen, vielleicht nicht des Universums, aber doch nach der Logik der Geschichte, übrig: Wie können Mattis Eltern solch eine Lüge beinah unkommentiert hinnehmen, und wieso hatten sie sich von vornherein nur mit einem Anruf zur Kontrolle des Gewinns zufriedengegeben? Wie kann die Familie angesichts dieser Katastrophe noch wunderbare Sommer­ferien beim Onkel verbringen? Warum wird nicht thematisiert, was für die ­Zukunft geplant ist? Auch wenn die Geschichte mit viel Humor und sommerlich leicht erzählt ist, geht es doch um die Erschütterung der Grundfesten familiärer Beziehungen und um die Krise, die nach einem Vertrauensbruch zu kitten wäre. Warum Matti mit derselben Lügenstrategie seinen Eltern Paroli bietet, kann man nachvollziehen, denn schließlich erreicht er das, was er sich immer gewünscht hat – einen herrlichen Sommer mit fröhlichen Eltern in Finnland. Logisch ist das nicht.

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