Kritik zu Mary & Max

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2009
Original-Titel: 
Mary & Max
Filmstart in Deutschland: 
26.08.2010
L: 
96 Min
FSK: 
12

Jeder ist auf seine Weise ein besonderer Mensch: Ein ungeliebtes Mädchen von acht Jahren in Australien und ein dicker Atheist in Amerika schreiben sich Briefe – und das als Knetanimationsfiguren

Bewertung: 4
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Trickfilme für das erwachsene Publikum treten zunehmend aus der »Kinderecke« heraus. Nach Zeichentrickfilmen wie »Waking Life« (2001) von Richard Linklater, »Persepolis« (2007) von Vincent Paronnaud und Marjane Satrapi oder japanischen Anime-Filmen startet jetzt ein australischer Knetfigurenfilm im Abendprogramm der Kinos. Natürlich begeisterte bisher auch die eine oder andere Disney-Produktion, ganz zu schweigen von »Wallace & Gromit«. Aber Animationsfilme mit tiefgründigen Themen jenseits der reinen Unterhaltung waren bisher rar in diesem Genre.

Nun also die Knetfiguren »Mary & Max«, ein Brieffreundepaar, das sich zwischen der australischen Provinz und der Metropole New York über die essenziellen Dinge des Lebens austauscht. Sie ist ein kleines ungeliebtes Mädchen von acht Jahren, Max ein dicker Atheist mit Aspergersyndrom. Marys australische Welt erstrahlt im Film nur in Brauntönen, seine amerikanische dagegen ausschließlich in Graufärbung, jeweils mit pointierter Rotgebung für wichtige Details des Lebens.

Nicht eine einzige alltägliche Figur ist in dieser weltumspannenden Geschichte zu finden: Alkoholiker, Stotterer, Menschen mit außergewöhnlichen Ängsten oder blinde Nachbarinnen bevölkern das Universum von Mary und Max. Jeder ist auf seine Weise ein besonderer Mensch, keiner wird dem Spott und Hohn der anderen preisgegeben, und ihre individuellen Geschichten sind so universell, dass sie auf der ganzen Welt verstanden werden. Wir leiden und lachen mit ihnen, hoffen auf Besserung und erkennen doch unsere eigenen Schwächen in ihnen wieder. Zu keiner Zeit machen wir uns über die Outlaws lustig, denn das Lachen bleibt uns all zu häufig im Halse stecken.

Die Stop-Motion-Animation ist so skurril wie einzigartig und reduziert auf das Wesentliche, mit einer dynamischen Kamera, die durch die New Yorker Häuserschluchten saust, als hätte sie den realen amerikanischen Moloch ins Visier genommen.

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