Kritik zu Männertrip

© Universal Pictures

Aus der einen Komödie in die andere: Weil Russell Brand als Rockstar Aldous Snow in »Nie wieder Sex mit der Ex« nur eine Nebenrolle hatte, gibt es nun einen Film, in dem er neben Jonah Hill – fast – die Hauptrolle spielt

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Eigentlich war dieser Aldous Snow nur als Nebenfigur konzipiert. Aber dann wurde der britische Komiker Russell Brand als exzentrischer, hyperpotenter Rockstar in »Nie wieder Sex mit der Ex« (2008) zum echten scene stealer. Und so entwickelten Regisseur Nicholas Stoller und sein Produzent Judd Apatow ein neues Drehbuch, das den selbstgefälligen Musiker mit dem schwarz gelockten Haar und der hautengen Lederhose ins Zentrum des Interesses stellte.

Stoller beginnt in »Männertrip« mit der lustvollen Dekonstruktion des Stars, der in »Ruanda, Darfur oder einem dieser Länder« bei den Dreharbeiten zu seinem Musikvideo »African Child« gezeigt wird, in dem sich Snow als weißer Messias im afrikanischen Bürgerkriegsszenario feiert. Das Album wird als rassistisches Machwerk von der Presse zerrissen und fällt in den Charts von Platz 54 auf 93.

Der Mann, der Snow einige Jahre und viele schlechte Schlagzeilen später wieder nach oben bringen will, heißt Aaron Green (Jonah Hill) – ein kleines Licht in einem großen Plattenlabel. Als er seinem Chef (Sean Combs) den Vorschlag macht, Snow mit einem Konzert im »Greek Theatre« in Los Angelas ein Comeback zu verschaffen, wird Green gleich selbst mit der Durchführung der Idee beauftragt. Innerhalb von 72 Stunden soll er den berüchtigten Partyhengst von London nach L.A. bringen.

Stoller inszeniert das abenteuerliche Unternehmen in einer übersichtlichen Hindernislauf-Dramaturgie, die von der Gegensätzlichkeit der beiden Charaktere lebt und keinen Zweifel daran lässt, dass die zwei rechtzeitig über die Ziellinie kommen. Jonah Hill spielt den gutmütigen Normalo, der sich als Außenseiter in der hippen Musikszene zu etablieren versucht und dessen Ausflug in die Welt von Sex & Drugs & Rock'n'Roll auch zum vorehelichen Prüfstein für die eingefahrene Beziehung zur langjährigen Lebensgefährtin wird. Es wird viel gefeiert, getrunken, erbrochen, aber zwischen der grobhumorigen Dauerbefeuerung werden immer wieder auch ernsthafte Töne angeschlagen. So etwa wenn Snow seinen alten Herrn in Las Vegas besucht und sich im ausufernden Saufgelage die psychologischen Abgründe der Vater-Sohn-Beziehung auftun. Solche Szenen erden die Charaktere und verhindern, dass sie nur zu bloßen Pointenlieferanten degradiert werden.

Russell Brand verleiht der Figur des exzentrischen Musikers ohnehin seine ganz eigene Aura, die weit über das festgefahrene Rockstar-Klischee hinausgeht. Er zeichnet den egomanischen Charakter als brillanten Manipulator, tragischen Helden, mitleidlosen Zyniker und somnambulen Lebenskünstler. Dennoch kommt dieses Werk aus der »Apatow-Factory« mit seiner konventionellen Erzählweise und den versöhnlichen Zielvorgaben deutlich berechenbarer daher, als etwa »Beim ersten Mal«, in dem in jeder Filmminute alles möglich zu sein schien und die dramaturgische Ausrichtung im Dialogfeuerwerk immer wieder neu bestimmt wurde.

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