Kritik zu Männer zeigen Filme und Frauen ihre Brüste

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2013
Original-Titel: 
Männer zeigen Filme und Frauen ihre Brüste
Filmstart in Deutschland: 
14.08.2014
L: 
83 Min
FSK: 
keine Beschränkung

Nach James Tobacks »Verführt und verlassen« ein weiterer Film, in dem Cannes weniger für den Glamour des Kinos steht als für das schnöde Finanzierungsgeschäft. Ein paar Bilder vom roten Teppich gibt es aber natürlich auch hier

Bewertung: 3
Leserbewertung
3
3 (Stimmen: 2)

Eine Filmemacherin und ihr Produzent sind während des Filmfestivals in Cannes auf der Suche nach Geld für ihr nächstes Projekt. Für deutsche Filmemacher bedeutet das in erster Linie: Kontakt suchen zu einflussreichen Menschen in der Filmförderung und bei den Fernsehsendern. Also versucht man, Einladungen für die entsprechenden Empfänge zu ergattern, für den von German Films und den auf der Jacht von Arte. Und zwischendurch dann noch ein Interview mit einer Journalistin, die ein Herz für den Nachwuchs hat.

Vieles davon läuft schief. Der zwei Tage vor der Regisseurin angereiste Produzent hat die Karten nicht besorgt, präsentiert dafür aber eine Mitbewohnerin in dem sowieso schon engen Apartment. Entsprechend verbringen die beiden die meiste Zeit damit, sich zu streiten, was von konkreten Vorwürfen bis zu grundsätzlichen Statements über die Gegensätze zwischen Männern und Frauen reicht. Sagt sie: »Du hast den Tag verkackt!«, so antwortet er: »Du bist so verbissen!« Mit dieser Auffassung steht er nicht alleine da, auch als Zuschauer, der das Unbehagen der Filmemacherin teilt, dass in jenem Jahr kein Film einer Frau im Wettbewerb von Cannes lief, kann man nicht allzu viel Sympathie für diese Figur aufbringen, die dem Produzenten vorwirft, seine Arbeit nicht zu machen, während sie selber angesetzte Arbeitsgespräche lieber dazu nutzt, mit anderen Frauen zu flirten.

Zwischen Bildern von der Tristesse der nächtlichen Seitenstraßen in Cannes und den wohlbekannten Aufnahmen vom roten Teppich vor dem Festivalpalais, karikaturhaft überhöht, besitzt der Film einige satirisch zugespitzte Momente, etwa wenn der Arte-Redakteurin schon der Titel des neuen Filmprojekts nicht gefällt und auch dessen Plot sie (und den Zuschauer) eher ratlos zurücklässt.

Wie die meisten Filme zum Thema Leinwandrealität und Fiktion ist auch dieser einer, der ein Spiel mit der Wirklichkeit inszeniert, denn die »Isabell Šuba« im Film ist nicht die Isabell Šuba, die den Film gedreht hat, sondern die Schauspielerin Anne Haug, wie wir am Ende erfahren. Dafür aber ist ihr Sparringspartner im Film, der Produzent »David Wendlandt« der wahre Produzent dieses Films, Matthias Weidenhöfer. Isabell Šuba hat die Einladung ihres Kurzfilms nach Cannes 2012 genutzt, um sich dort unter anderem Namen, als Filmstudentin, anzumelden und ihre eigene Identität der Schauspielerin überlassen. In fünf Tagen wurde dann vor Ort dieser Film gedreht, als Abschlussfilm an der Potsdamer HFF und mit Hilfe von Crowdfunding. Mit diesen am Ende des Films stehenden Informationen darf der Zuschauer sich fragen, was denn »wahr« war an dem vorher Gesehenen: Wurde das Verhältnis zwischen Regisseurin und Produzent inspiriert von der Wirklichkeit? Gibt es ein Filmprojekt mit dem Titel Dear Sheriff wirklich? Aber will man das wirklich wissen?

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