Kritik zu The Mad Dog of Europe

© Heimatfilm

2026
Original-Titel: 
The Mad Dog of Europe
Filmstart in Deutschland: 
12.11.2026
L: 
83 Min
FSK: 
Ohne Angabe

Der Dokumentarfilm erzählt von einem unrealisierten Drehbuch des »Citizen Kane«-Autors Herman J. Mankiewicz und dem Einfluss der Nazis auf die US-amerikanische Kultur.

Bewertung: 3
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Immer wieder kommt eine aus den 1930er Jahren stammende animierte Straßenkarte von Los Angeles ins Bild. Symbole und Kürzel markieren zentrale Orte. Klassische Filmkameras weisen auf die zahlreichen Studios in Hollywood hin, und eine Abkürzung wie »PCA« zeigt an, wo die »Production Code Administration«, die interne Zensurbehörde der Traumfabrik, ihre Büros hatte.

Aber es bleibt in Rubika Shahs Dokumentation »The Mad Dog of Europe« nicht bei diesen naheliegenden von der Macht der Filmindustrie zeugenden Markierungen. Zu ihnen gesellen sich in einigen Einstellungen erschreckend viele Hakenkreuze. Sie erzählen eine weitgehend vergessene und letztlich auch verdrängte Geschichte. Das »Dritte Reich« hat in den Jahren von 1933 bis 1940 nicht nur versucht, mit seiner Propaganda die Stimmung in den Vereinigten Staaten zu beeinflussen. Es hatte mit rassistischen und antisemitischen Organisationen wie dem Ku-Klux-Klan und den sogenannten »Silver Shirts« auch ideologische Verbündete.

Die englische Regisseurin Rubika Shah verknüpft in ihrem Film dieses Kapitel der US-amerikanischen Geschichte mit einer faszinierenden Episode der Filmgeschichte. Der Journalist, Theaterkritiker und Dramatiker Herman J. Mankiewicz war in den späten 1920er Jahren von New York nach Los Angeles gekommen, um sein Glück in den Hollywood-Studios zu machen. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Aber die Komödien, an deren Drehbüchern er arbeitete, blieben weit hinter seinen künstlerischen Ambitionen zurück. Also begann er 1933, kurz nachdem Hitler in Deutschland zum Reichskanzler geworden war, mit der Arbeit an »The Mad Dog of Europe«.

Mankiewicz’ Drehbuch über eine jüdische und eine katholische Familie, die ins Visier der Nationalsozialisten geraten, ist nicht nur ein auf detaillierten Recherchen basierendes Porträt der Machtergreifung und ihrer direkten Auswirkungen. Es nimmt auch die weiteren Entwicklungen des NS-Staates vorweg und endet mit einem apokalyptisch anmutenden Krieg. Wäre es Mankiewicz und seinem Produzenten Sam Jaffe gelungen, dieses Projekt zu realisieren, hätte Hollywood ein geradezu prophetisches Zeichen gesetzt. Über Jahre hinweg haben Mankiewicz und Unterstützer alles versucht, um »The Mad Dog of Europe« auf die Leinwände zu bringen. Aber sie sind immer wieder an den Bedenken der oft jüdischen Studiobosse, an den antisemitischen Tendenzen der »PCA« und dem Einfluss der Nationalsozialisten auf Hollywood gescheitert. Kein Studio wollte riskieren, aufgrund dieses Films vom deutschen Markt verbannt zu werden.

Rubika Shah verbindet Archivmaterial, historische Tonaufnahmen sowie Interviews mit (Film-)Historikern und den beiden Mankiewicz-Enkeln Nick Davis und Ben Mankiewicz zu einer ästhetisch eher konventionellen filmgeschichtlichen Dokumentation. Aber genau diese Zurückhaltung erweist sich als Stärke ihrer Arbeit. Sie schärft den Blick für die größeren politischen Zusammenhänge. Shah erzählt vor dem Hintergrund der Geschichte eines nicht realisierten Filmprojekts auf eindringliche Weise davon, wie der Faschismus in den 1930ern auch in den USA auf dem Vormarsch war, und so auch davon, wie tief er bis heute in Teilen der Bevölkerung verankert ist.

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