Kritik zu Le Mans 66 – Gegen jede Chance

© 20th Century Fox

James Mangold rekonstruiert nach wahren Motiven die Konkurrenz der Autobauer Ford und Ferrari beim legendären 24-Stunden-Rennen im französischen Le Mans. Sein Film erweist dabei den Hollywood-Erfinderabenteuern von einst Reverenz

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Rasante Sportwagen sind die große Leidenschaft des Mechanikers und Rennfahrers Ken Miles (Christian Bale). Entsprechend wenig hat er übrig für Männer, die sich so ein Auto nur als Statussymbol kaufen. Seinem Fahrstil zufolge solle er sich besser einen Plymouth kaufen, raunzt er einen Kunden gleich am Anfang des Films an. Schon in dieser ersten Szene ist klar, dass Ken sich für ein besseres Geschäft nicht verbiegen würde, dann riskiert er lieber den Bankrott seiner Werkstatt.

Nicht ganz so klar ist die Sache bei den Managern von Ford. Als die Verkaufszahlen in den 60er-Jahren rückläufig sind, soll das Image mit ein wenig Sex Appeal angereichert werden. Statt alle Siege den rassigen Italienern von Ferrari zu überlassen, könnte doch mal ein Ford-Auto im europäischen Renngeschäft mitmischen! Also holen sie den Ex-Rennfahrer Carroll Shelby (Matt Damon), der innerhalb von drei Monaten ein Rennauto entwickeln soll, mit dem sich in Le Mans die Ferrari-Flitzer verdrängen lassen. Allerdings braucht es auch einen Spitzenfahrer wie Ken Miles, den sie bei Ford aber wegen seines unberechenbaren Temperaments für ein Image-Risiko halten. Im Ringen mit der Corporate Identity muss sich Shelby immer wieder was einfallen lassen. Also zwängt er den massigen Henry Ford II. (Tracy Letts) für eine Probefahrt ins Cockpit, bei der er ganz physisch zu spüren bekommt, was für ein unkontrollierbares Biest der neue Ford GT40 ist. Danach ist die Sache zwar erst mal geklärt, aber die Balance zwischen dem Image des soliden Familienautos und dem ungezügelten Cockpit-Abenteuer bleibt fragil.

Auf im besten Sinne altmodische Weise lässt James Mangold hier noch einmal den Spirit des klassischen Hollywood aufleben, in einer Geschichte über Männerfreundschaft und Erfindergeist, mit einer Verbeugung vor den Filmen von Howard Hawks. Das Kino verbündet sich gerne mit besessenen Erfindern, die alles daran setzen, um das Unmögliche zu erreichen, Typen wie dem Flugzeugtüftler Howard Hughes oder eben Carroll Shelby und Ken Miles, die für Ford in nur drei Monaten einen rassigen Flitzer entwickelten, der es in Le Mans mit Ferrari aufnehmen konnte. Dafür muss man schon ein bisschen verrückt sein, so verrückt wie Ken und Carroll. Gespielt werden sie von Matt Damon und Christian Bale in einer schönen Mischung aus sturer Entschlossenheit, irrwitzigem Wagemut und jungenhaftem Enthusiasmus. Und mit einem guten Schuss Screwball-Esprit, der in ihren kameradschaftlichen Kabbeleien die Funken fliegen lässt.

»Le Mans 66« nimmt den Zuschauer ganz unmittelbar mit auf die Rennstrecke, mit vibrierenden Bildern des Kameramanns Phedon Papamichael, der seit »Identity« immer wieder Mangolds Verbündeter war. Vor allem aber ist es ein wunderbar nostalgischer Film, der von vergangenen Zeiten erzählt, als Rennautos noch durch schnittige Formen und leuchtende Lackierungen geprägt waren und man Unmengen von Benzin durch den Motor jagen konnte, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen.

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