Kritik zu Late Night

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Eine Komödie über die immer noch seltene Spezies weiblicher Comedians – mit Emma Thompson und Mindy Kaling

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Als Studentin durfte Emma Thompson als erste Frau bei der »Footlight«-­Komikertruppe mitmachen, in der sich auch spätere Monty-Python-Mitglieder ihre Sporen verdienten. Die eigene Fernsehshow der aufstrebenden Komödiantin wurde jedoch wegen Kritiken, die ihr Männerfeindlichkeit vorwarfen, schnell abgesetzt. Es wirkt wie ein Treppenwitz des Schicksals, dass sie nun eine britische Komikerin und Moderatorin spielt, die in den USA seit Jahren mit einer Late-Night-Show gut im Geschäft ist. Statt des Vorwurfs der Männerfeindlichkeit sieht sich Katherine Newbury jetzt des Vorwurfs der Frauenfeindlichkeit ausgesetzt. Denn in ihrem »Writer's Room« sitzen nur Männer. Überdies leidet ihre Show unter Quotenschwund; Katherine soll ihren Platz für einen jungen Vulgärkomiker räumen. In dieser Krise schneit Molly in Katherines Firma herein. Molly hat kaum Erfahrung als Comedy-Autorin, was sie jedoch durch Einsatz wettzumachen versucht.

Mindy Kaling, die auch das Drehbuch verfasste, wirft einen Blick hinter die ­Kulissen der Late-Night-Shows und zeigt, welcher Druck auf dem Schreiberteam lastet, das tagesaktuelle Witze produzieren muss. Katherine ist zudem eine unberechenbare Tyrannin, die ihren Autoren mit ihren Launen zusetzt und selbst langjährige Mitarbeiter, sollten diese je erwähnen, dass sie ein Leben jenseits des Witzeschreibens haben, sofort feuert. Während Kaling der Despotin ein läuterndes Ehedrama andichtet, schreibt sie sich selbst einen märchenhaften Aufstieg auf den Leib. Dabei streift sie, als indischstämmige Frau doppelt betroffen, modische Diversity-Themen, dies allerdings nur oberflächlich. Eingestellt als Quotenfrau fast ohne Kompetenzen, ist der abschätzige Blick ihrer Kollegen – trotz ­deren Malus als privilegierte weiße Männer – irgendwie nachvollziehbar.

Der eigentliche Spaß entsteht bei der Bildung des weiblichen »odd couple« zweier Komikerinnen, die wie Feuer und Wasser sind. Thompson mimt mit Gusto eine schneidend sarkastische Witzereißerin mit der Ausstrahlung eines nervösen Rennpferdes, die mit ihrer verknöcherten Herablassung beim Publikum immer weniger Anklang findet. Mindy Kaling übernimmt den aus ihrer Serie »The Mindy Project« bekannten Typ: ein tollpatschig-aufdringlicher Sonnenschein, eine ultraweibliche, jedes Gefühl herauslassende Frau, die mit vermeintlicher Naivität die richtigen Fragen stellt. Angetrieben vom Enthusiasmus des Emporkömmlings, ist Molly der versnobten Veteranin Katherine anfangs zutiefst suspekt. Herrlich ist es mitanzusehen, wie Molly sich spontan an Katherines Schulter schmeißt und deren Gesichtszüge angesichts dieser schockierenden Nähe entgleisen.

Doch obwohl die Gags in der Show dank Mollys Ideen besser werden, hätte man sich gewünscht, dass auch mal zum Thema wird, warum es – trotz medialen Getrommels und Serien wie »The Marvelous Mrs. Maisel« – so wenige weibliche Comedians gibt. So macht diese Komödie hinter ihrem quirligen Sitcom-Charme einiges ungelöstes Potenzial spürbar.

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