Kritik zu Landraub

© Movienet

2015
Original-Titel: 
Landraub
Filmstart in Deutschland: 
08.10.2015
Musik: 
L: 
95 Min
FSK: 
keine Beschränkung

In seinem nüchtern argumentierenden und doch erschreckenden Dokumentarfilm­ zeigt Kurt Langbein, wie Regierungen im Namen einer effektiven Nahrungs­produktion Land enteignen

Bewertung: 4
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»Kaufen Sie Land. Es wird keines mehr gemacht«, sagte einst der kluge Mark ­Twain und ahnte dabei, dass sich seine Aussage auf eine Zeit bezog, die er selbst nicht mehr erleben würde. Es geht um das Dreieck, das heute die Basis aller globalen Probleme bildet: Energiegewinnung, Ernährung und Überbevölkerung. Jährlich steigt die Weltbevölkerung um eine beachtliche Zahl. Und die Frage wie diese Menschen auch in Zukunft noch ernährt werden sollen, treibt Wissenschaftler und Geschäftsleute gleichermaßen um.

Kurt Langbein zeigt in seinem nüchternen Dokumentarfilm die Falle, in die wir, unsere Regierungen und viele wohlmeinenden Landwirte sehenden Auges getappt sind: die industrielle Landwirtschaft, die Lösungen verspricht, eindeutige Produktionssteigerung vorweisen kann und doch das maßgebliche Problem in der Ernährungsfrage ist. Dabei geht es in »Landraub« gar nicht um Bodenerosionen, Monokulturen und Massentierhaltung, hier wird ganz klar auf ein Grundproblem hingewiesen. Die industrielle Landwirtschaft steigert zwar die Produktivität ihrer Plantagen, was Zucker, Palmöl oder Reis, Mais und Getreide angeht, aber sie braucht dazu zehnmal so viel Energie, wie sie erwirtschaftet. Der Kleinbauer, ­zumal in dezentralen Ländern, etwa in Afrika, ­erwirtschaftet zehnmal so viel Energie, wie er aufwendet, selbst wenn am Schluss nur eine geringe Menge an Nahrungsmitteln ­entsteht. So etwas nennt man Nachhaltigkeit.

Doch der eigentliche Skandal kommt jetzt. Um sich Land für Großbetriebe nach westlichem Vorbild zu verschaffen, haben Regierungen in Kambodscha oder Äthiopien die Kleinbauern einfach vertrieben. Angst hält sie klein, ob sie nun Papiere haben oder nur den Nachweis einer jahrhundertealten Tradition von Familienbesitz. Sie sind den Bulldozern und den bewaffneten Schergen ausgeliefert. In Rumänien wird Land von der Regierung immer noch rechtmäßig verkauft. Aber nicht an die lokalen Kleinbauern, sondern an dänische Großbetriebe, die dann 90 Prozent der EU-Förderung einstreichen. 70 Prozent der lokalen Bauern bekommen überhaupt keine Förderung. Das Problem fällt wieder einmal auf die führenden Industrienationen zurück. Dabei ist in Brüssel durchaus bekannt, welche fatalen Folgen das europäische Geld in der Welt hat.

»Landraub« ist ein erschütternder Film. Die Familien in Asien und Afrika, die plötzlich nichts mehr haben als einen krank machenden Job in der Agrarindustrie, sind keine Einzelschicksale, sondern Symptome einer globalen Entwicklung. Man setzt auf das schnelle Geld, den schnellen Erfolg und freut sich darüber, wie der dunkelhäutige Manager in seinem glasumrandeten ­Hochhausbüro zu Beginn des Film. Sein Satz »...und fortan gehst Du immer mit einem breiten Lächeln zur Bank...« wird zum Gipfel des Zynismus, wenn man sich in der Folge anschaut, wo dieser Wohlstand herkommt.

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