Kritik zu Lammbock

© Senator

Eine Kifferkomödie von Christian Zübert

Bewertung: 3
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5
5 (Stimmen: 1)

Zum Slackerfilm, zu dem uns hier ein deutsches Pendant vorgestellt werden möchte, gehört notwendig das abseitige Wissen, mit dem sich die jugendlichen Protagonisten zielsicher gegen alle abgrenzen, die ihren Ausführungen nichts abgewinnen können. Dementsprechend engagiert geht es gleich in der ersten Szene von Lammbock zu, in der Kai (Moritz Bleibtreu) das Thema Brustimplantate am Beispiel von Erika Eleniak diskutiert, einer Pionierin auf diesem Gebiet. Stefan (Lucas Gregorowicz) sitzt daneben und hört eher gequält zu. Eigentlich liebt er die Sprüche seines besten Freundes, nur hat der Bummelstudent manchmal das Gefühl, dass Kai ihn von der Juristenkarriere abhält, die er dem Vater schuldig zu sein glaubt. Die Zweifel hindern Stefan freilich nie daran, mit Kai einen Joint durchzuziehen. Und darum geht es im Regiedebüt von Christian Zübert, der zuvor das Drehbuch zu Mädchen, Mädchen schrieb: kiffen, kiffen, kiffen. Seine beiden Herumhänger entpuppen sich als Besitzer eines größeren Haschfeldes, das den eigenen Konsum hinreichend sichert und außerdem die Geschäftsgrundlage ihres Lieferservices "Lammbock" ist.

Gemäß den Ausführungen von Georg Seeßlen über Drogen und Film im Heft epd Film 08/2001 ist Hasch hier selbstverständlich eine gute Droge. Gelegentliche Überdosierung ist kein Grund zur Besorgnis, sondern Anlass für visuelle Scherze: Stefan erscheint dann in einer bunten Umgebung ganz in Schwarzweiß und fühlt sich auch so. Das bleiben die einzigen Momente, in denen der Film mit seinem Thema etwas anstellt, wo er auf die bewusstseinsverändernde, intensivierende und manchmal vielleicht auch etwas anstrengende Wirkung hinweist und Bilder dafür sucht. Ansonsten ist Dope ein Requisit, das eben zum Thema Slacker gehört - und damit so harmlos wie der ganze Film.

Daran ändert auch nichts, dass der Regisseur seinen beiden Helden einen verdeckten Ermittler auf den Hals hetzt, der sie zu Panikreaktionen anstiftet, die zu einer grotesken Eskalation führen. Ohne Elemente eines Kriminalfilms würde dem Treiben der Figuren jede Dramatik fehlen. Man hängt rum, hat zu wenig Sex oder zu viel, macht einen Aidstest und sich kurzfristig Sorgen, geht auf Partys und führt Gespräche mit guten Freunden.

Was Regisseur Christian Zübert als Lebensgefühl deutscher Twens beschreibt, hat freilich in vielen Szenen die Bilder der amerikanischen Populärkultur als Referenz. Schon der Plot - zwei Jungs leiden unter der Paranoia, ihr Haschfeld könnte entdeckt werden - ist gewissermaßen eine Variation auf T. C. Boyles Roman "Grün ist die Hoffnung". In einer skurrilen Szene zeigt Zübert eine (missglückte) Selbstbefriedung mittels Staubsauger und ahmt damit einen ähnlichen Sachverhalt aus American Pie nach. Für die zwei komischen Kauze, auf die Kai und Stefan immer wieder treffen, haben offenkundig Kevin Smith' Figuren Silent Bob und Jay Pate gestanden. Und die reißerischen Kapiteltitel, die den Film in einer Abfolge von Episoden strukturieren, verweisen auf das Genre der Pulp Fiction.

Doch deutsche Populärkultur ist ohne amerikanische ja ohnehin undenkbar, und so ist es vielleicht ganz o.k., wenn sich Regisseur Zübert die Gefühle, Stimmungen und Erlebnisse seiner Protagonisten bei einschlägigen Vorbildern ausgeliehen hat. Den Darstellern immerhin nimmt man die Adaption an deutsche Verhältnisse durchaus ab, und zur Glaubwürdigkeit ihrer Gespräche trägt bei, dass sie gelegentlich improvisiert erscheinen: als hätte Zübert die Szenen eher in groben Zügen skizziert und seine Helden dann einfach mal machen lassen. Dass der Film in Würzburg, der Heimatstadt des Regisseurs spielt, ist eine gute Gelegenheit, endlich mal andere Autokennzeichen im Kino zu sehen. Weitere Gründe freilich schien es keine zu geben. Die Leute verhalten sich dort wie überall sonst in Deutschland - so weit wir es als Kulisse für Filme kennen, die Teil der Jugendbewegung sein wollen.

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