Kritik zu Knight and Day

© 20th Century Fox

Tom Cruise braucht mal wieder einen Kassenhit. Mit Cameron Diaz im Schlepptau hechtet er in James Mangolds sommerlicher Actionkomödie als überlebensgroßer Topspion rund um den Globus

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In einem Spielzeugritter versteckt Roy Miller (Tom Cruise) die Hochleistungsbatterie, auf die es alle abgesehen haben. Später sieht June Havens (Cameron Diaz) in einem Überwachungsvideo, dass Roy ihr am Flughafen von Wichita den Ritter unterjubelte, um ihn samt heikler Fracht nicht selbst durch die Gepäckkontrolle schmuggeln zu müssen. Sollte der tollkühne Spion, mit dem June seither rund um die Welt hechtet, doch kein edler Ritter, sondern bloß ein schnöder Doppelagent sein? Da weiß sie noch nicht, dass er in Wirklichkeit »Knight« mit Nachnamen heißt, ihm das Ritterliche also praktisch in den Genen liegt. Daher übrigens auch die Doppeldeutigkeit im Titel des Films.

Was man, drehbuchseitig, herausholen kann aus so einem Rittermotiv, das holt »Knight and Day« mit aller Konsequenz heraus, auch auf die Gefahr hin, überdeutlich und redundant zu erscheinen. Diese Übereifrigkeit kennzeichnet den ganzen Film: Originell will er sein, ein etwas anderer Superagentenspaß (jenseits von »Bond« oder »Mission: Impossible«), bombastisch und kosmopolitisch (genau wie »Bond« und »Mission: Impossible«), mit raffinierten Plotwendungen und undurchsichtigen Charaden voller Tricks, Täuschungen und wechselnder Identitäten.

Und mit einem coolen, überlebensgroßen Action-Tausendsassa, der athletisch, charismatisch, romantisch und obendrein komisch zu sein hat. Eben noch hier, jetzt schon da, ein Meister der Antizipation und Präzisionskünstler in Sachen Vehikel und Kampfgerät. Lässig soll er rüberkommen, aber man sieht die Arbeit, die dahintersteckt, spürt die Angestrengtheit, die sich aufbaut, wenn man Tom Cruise heißt und seit nunmehr fünf Jahren auf einen Hit wartet. Ganz schön ist der Film, aber auch ganz schön bemüht.

Zum Beispiel die Auftaktsequenz. Wenn Roy und June im Flieger ihren von Turbulenzen erschütterten Kennenlernflirt absolvieren, bezieht die Szene ihren Reiz aus den vielen Fragen, die sich dem Zuschauer angesichts leerer Sitzreihen, verdächtiger Passagiere und andeutungsvoller Heldenmimik stellen. Geschickt spielt die Inszenierung mit der Rätselhaftigkeit der Situation, doch wenn sich die Spannung dann in einem fulminanten Shootout entlädt und Roy sämtliche Mitreisenden binnen weniger Sekunden abserviert, Piloten inklusive, sorgt eine mäßig witzige Pointe dafür, dass alles in sich zusammenfällt: Eine Parallelmontage zeigt June vor dem Toilettenspiegel so sehr ins Selbstgespräch vertieft, dass sie von der Schießerei nichts mitbekommt und ziemlich hysterisch reagiert, wenn ihr anschließend aus allen Richtungen die Leichen entgegenpurzeln.

Auch fortan pflegen James Mangold, der als Regisseur in vielen Genres unterwegs ist, und sein Autor Patrick O'Neill diesen selbstironischen Stil. Sie arrangieren die Story als endlose Verfolgungsjagd quer über Städte, Inseln und Kontinente hinweg und lassen dabei in kurzer Folge Waffen sprechen und Reifen quietschen, was in logistischer Hinsicht durchaus beeindruckend und manchmal sogar atemberaubend ist.

Die humorigen Kontrapunkte wirken dagegen oft etwas aufgesetzt, als gehörten sie in einen anderen Film. Wieder und wieder bekommt Cruise die Gelegenheit, seine makellosen Zahnreihen blitzen zu lassen. Und leider gehen die Witze zumeist auf Kosten von Cameron Diaz, die vom Drehbuch deutlich unterfordert und als sinnlos um sich ballerndes Blondchen desavouiert wird.

So findet »Knight and Day« zu keiner rechten erzählerischen Balance, vielleicht, weil er trotz des hohen Tempos wie mit angezogener Handbremse agiert, ohne den Mut zur Konsequenz. Denn bei allem Tempo und allem Druck wirkt Mangolds Regie unterm Strich doch erstaunlich brav – die comichafte Überzeichnung eines Shoot'em Up, die ästhetische Stilisierung eines »Wanted« oder wenigstens der Zynismus von »Mr. and Mrs. Smith« hätten hier gut getan. So aber fehlt der Pfeffer, und der Film ähnelt ein wenig dem MacGuffin in seinem Zentrum: randvoll mit Kraft und Energie, aber nicht wirklich brauchbar. Hitchcock, der auch zu den Vorbildern gehört, wusste schon, was er tat, als er in »North by Northwest« einfach nicht erklärte, worum es ging. Manche Fragen sollten gar nicht erst aufkommen.

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