Kritik zu Jakobs Bruder

- kein Trailer -

Unterhaltsam soll es sein, das Regiedebüt von Daniel Walta, und zwei ansonsten als Tatort-Kommissar Max Ballauf und als »Stromberg« bekannte deutsche Schauspieler in sensiblere Gefühlsermittlungen zwingen. Täter erkannt, Film tot

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Christoph Maria Herbst spielt Lorenz, einen der Spielsucht verfallenen Chaoten, der bei wechselnden Verkaufssendern als Fernsehmoderator zuverlässig seine Unzuverlässigkeit beweist. Sein Bruder Jakob, älter, vernünftiger, vor allem, weil ihre sich selbst suchende Mutter (Hannelore Elsner) ihm als Zehnjährigen die Verantwortung für Lorenz aufgehalst hat, ist dieser Belastung schon lange entflohen. In der Provinz, oben in Ostfriesland be-treibt Jakob (Klaus J. Behrendt) ein kleines Restaurant. Seine Frau ist ihm davongelaufen, seine Miene und sein Herz sind trübe. Seine Aussichten verdüstern sich zunehmend, als Lorenz ihn aufsucht und bittet, mit ihm nach Hause zu kommen: Mama habe Alzheimer und brauche Unterstützung.

Auf dem Weg zurück in die Vergangenheit, der so systematisch von emotionsfördernden Rückblenden unterbrochen wird wie eine automatisch eingestellte Sprinkleranlage einen Rasen betrieft, verfällt der Film vollends ins Schema F. »F« wie Fernsehen, »F« wie falsch. Die Dramaturgie beschränkt sich auf eine fantasielose »und-dann-Aufzählung«, die die Tücken der Objekte, eine vordergründig hinderliche, aber selbstredend hilfreiche Anhalterin und etliche andere sogenannte Zufälle, hoch symbolische Naturzustände und Gedächtnis-Auslöser zu einem niedlichen Hindernisparcours zusammenstellt.

Da hüpfen die Brüder quengelnd und gängelnd drüber, bis die Erinnerung, die schöne Gemeinsamkeit, Tränen, Reue und unerschütterliche Geschwisterliebe aus dieser Konstellation ein Happy End herausquetschen, das gerade so traurig ist, dass es niemandem wehtut.

Das Drehbuch ist eine Gefühlspresse, der Schnitt schnippelt an Äußerlichkeiten herum, die so dickhäutig sind, dass sie auch nach ausgiebigem Schälen partout kein Seelen-Gelee abgeben. Und dann ist der Film ganz schrecklich geworden.

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