Kritik zu Irre sind männlich

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Wer glaubte, der seichte Tiefpunkt teutonischer Komödienkunst sei mit den Regiearbeiten Matthias Schweighöfers erreicht, muss sich von Anno Saul nun eines Schlimmeren belehren lassen

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Nichts ist einfacher, als sich über Therapien lustig zu machen. Die professionalisierte Form der seelischen Entblößung ist ein »easy target« für komödiantische Attacken. Aber gerade deshalb sollten Filmemacher, die um dieses Sujet ein Lustspiel bauen wollen, sich wirklich etwas einfallen lassen – und zwar sehr, sehr viel mehr als Anno Saul in Irre sind männlich. Erzählt wird hier die Geschichte des Endzwanzigers Daniel (Fahri Yardim), der mit den Unverbindlichkeitsansprüchen neuzeitlicher Liebesbeziehungen nichts anfangen kann. Lebensgefährtin Mia (Josefine Preuß) hingegen will ihren Freiraum und beschwert sich über das krakenartige Wesen des Geliebten. Warum man zusammen auf eine Party geht, um sich dann unabhängig voneinander unters Volk zu mischen, kann und will Daniel nicht verstehen. Obwohl er als Sohn einer Psychologin schon im Kindesalter durch­therapiert wurde, meldet er sich mit seinem Kumpel Thomas (Milan Peschel) zu einem Familienaufstellungsseminar an, um den Ursachen für sein besitzergreifendes Verhalten auf die Spur zu kommen. Dabei stellen die beiden fest, dass sich die gruppentherapeutischen Sitzungen hervorragend dazu eignen, Frauen aufzureißen.

So betätigen sich die Freunde mit fingierten Lebensläufen als Therapie-Crasher. Natürlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis eine Frau ihnen auf die Schliche kommt und die Gruppentherapie gerade dann zur Lynchjustiz zu werden droht, als Daniel sich mit dem schmucken TV-Starlett Bernadette (Peri Baumeister) anzufreunden beginnt.

In Irre sind männlich bedient Anno Saul (Kebab Connection) gnadenlos alle Therapieklischees: Vom bärtigen Guru (Herbert Knaup) über labil-notgeile Psychofrauen bis hin zur therapeutischen Reinszenierung genitaler Problemstellungen lässt der Film keine noch so abgeschmackte Pointe aus. Milan Peschel als Playboy hat gute Chancen, als Fehlbesetzung des Jahres prämiert zu werden, aber auch Fahri Yardim wirkt vollkommen überfordert von den unmotivierten Gefühlsschwankungen seiner Figur. Schade eigentlich, denn das Sujet hat durchaus Potenzial. Wer sich etwas eingehender mit dem Familienaufstellungsmodell beschäftigt, könnte aus dem Therapiesumpf eine intelligente, bissige Komödie hervorzaubern, die auch etwas über den Seelenzustand unserer Gesellschaft aussagt. Aber Anno Saul ist eben nicht Woody Allen und sein verzweifelter Versuch ins flachhumorige Boulevardtheater auch noch ein wenig Lebensweisheit zu injizieren, macht die Angelegenheit nur noch unerträglicher. Schließlich führt der Film seine beiden Hallodris auch noch auf den Pfad der wahren Liebe, womit auch dieses vermeintlich freche, deutsche Lustspiel im Tümpel biederer Vorhersehbarkeit vor Anker geht. Wer glaubte, der seichte Tiefpunkt teutonischer Komödienkunst sei mit den Regiearbeiten Matthias Schweighöfers erreicht, muss sich in Irre sind männlich eines Schlimmeren belehren lassen. Als sichtbares Zeichen der Seelenverwandtschaft hat Saul sogar für Schweighöfer einen Cameo-Auftritt eingebaut.
 

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