Kritik zu I Feel Pretty

© Concorde Filmverleih

Wenn Schönheit tatsächlich im Auge des Betrachters liegt: Die neue Komödie mit Amy Schumer handelt vom Terror des Körperideals

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Erinnern Sie sich noch an die Parodien auf aktuelle Filme, die früher in »Mad« erschienen? Einer der besten Cartoons veralberte »Lawrence von Arabien«. Ein Bild zeigte den Titelhelden, wie er auf einem Kamel durch die Wüste reitet und vergnügt »I feel pretty« singt. Alle Welt kannte damals das Lied, das Maria in »West Side Story« singt, als sie sich für ihr erstes Rendezvous mit Tony hübsch macht. Der Songtext beschreibt weniger einen Gefühlszustand, als vielmehr eine verblüffte Entdeckung: Die frisch Verliebte ist erstaunt über das schöne Mädchen, das ihr nun aus dem Spiegel entgegenblickt. Es braucht eine ganze Weile und vor allem einen Schlag auf den Kopf sowie den Glauben an Magie, bis Renée (Amy Schumer) in »I Feel Pretty« zur selben Erkenntnis gelangt.

Eingangs stellt ihr Äußeres für die pummelige IT-Spezialistin nur eine quälende Peinlichkeit dar. Als Angestellte eines Kosmetikkonzerns und unternehmungslustige New Yorkerin ist sie allerorten dem Terror des Augenscheins ausgesetzt. Das müsste eine pfundige Prämisse für einfallsreichen Slapstick sein. Sich allein schon zur Übergröße ihrer Turnschuhe zu bekennen, ist ein Martyrium für sie. Sodann bricht das Fitnessrad unter ihrem Gewicht zusammen. Beim wackeren zweiten Besuch im Fitnessstudio passiert ihr dies Missgeschick erneut, diesmal mit turbulenten Folgen: Als sie aus der Ohnmacht erwacht, glaubt sie, das erhoffte Wunder sei geschehen und sie habe sich endlich in eine strahlende Schönheit verwandelt.

Für die Kamera, ihre Freundinnen und den aufgeschlossenen Ethan sieht sie hingegen noch immer so aus wie zuvor. Aber nun entwickelt Renée überschwängliches Selbstbewusstsein. Ihr Temperament wird unwiderstehlich. Nun spürt sie in sich, was auch Maria beim Blick in den Spiegel entdeckte: Charme, Witz und Klugheit. Sie bekommt den begehrten Job im Kosmetikimperium und steigt zur Beraterin der Chefin (eine bedauernswert püppchenhafte Michelle Williams) auf. Zu allem Überfluss erliegt auch deren schmucker Bruder noch Renées Ausstrahlung.

In dieser Kaskade der Komplexe hätte es romantischer Komplikationen eigentlich gar nicht bedurft. Drehbuch und Regie (Abby Kohn und Marc Silverstein) beschwören ohnehin sämtliche Verwicklungen ohne nennenswerten Elan, eher aus der vagen Ahnung heraus, die Konventionen des Genres würden dies verlangen. Die komödiantische Unwucht verdankt sich freilich wesentlich der Hauptdarstellerin, deren Witz eminent narzisstisch ist. Das lässt sie zu einer fahrigen Mitspielerin werden. Eine tragfähige Chemie mit ihren Partnerinnen stellt sich nur sporadisch ein. Dieser Mangel ist leidlich dadurch gedeckt, dass es ja schließlich um den Egotrip einer Figur geht, die glaubt, ihr stünden alle Türen offen. Aber der Moment der Selbsterkenntnis und Reue, welchen ihr das Buch am Ende auferlegt, wirkt nurmehr wie ein hastiger Sketch. Als popkulturelles Echo des Songs aus »West Side Story« bleibt der »Mad«-Cartoon nach wie vor ungeschlagen.

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