Kritik zu Howl – Das Geheul

© Pandora

Das Dokumentarfilmduo Robert Epstein und Jeffrey Friedman mit ihrem ersten Spielfilm, in dem es um Allen Ginsberg und den Prozess um sein Gedicht »Howl« geht

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Als 1956 Allen Ginsbergs erstes Gedicht »Howl« erschien, war die Beatgeneration zwar schon ein stehender Begriff, doch die wichtigen Bücher dieser Zeit, Jack Kerouacs »On the Road« oder William S. Burroughs »Naked Lunch« befanden sich noch in den Schubladen. Es gilt als wegweisender Text für das, was die Beatgeneration erst noch werden sollte: eine moderne, literarische, bewegte Subkultur, gesellschaftskritisch, sexuell alternativ und offen für alles Rauschhafte. Doch damit wäre »Howl« ein Gedicht, das klingt, als sei es in einer berauschten Nacht entstanden und doch jahrelange Arbeit umfasst, noch lange nicht hinreichend beschrieben. Noch schwieriger ist es, das Gedicht in einen Film zu überführen, wie es das Dokumentarfilmduo Robert Epstein und Jeffrey Friedman (»Gefangen in der Traumfabrik«) mit seinem Film »Howl« versucht.

James Franco (»Spiderman«) ist Allen Ginsberg. Jung, bebrillt und hoch attraktiv steht er in der Six Gallery, schmettert dem Publikum seinen brachialen Text entgegen und merkt sich die Zwischenrufe. Diese werden später in der Druckversion die Fußnoten ergeben. Die Entstehungsgeschichte dieses Textes dokumentiert Ginsberg selbst in einem, im Film nachgestellten, Interview. Damit aber nicht genug. Um dem Text noch auf andere Weise nahezukommen, zeigen Robert Epstein und Jeffrey Friedman eine animierte Interpretation, und um den gesellschaftlichen Rahmen abzubilden, das Gerichtsverfahren. Ginsbergs Verleger Lawrence Ferlinghetti und nicht zuletzt sein Text wurden nach der Veröffentlichung wegen Obszönität angeklagt. Die Lesung und das Ringen mit der Justiz, das sind die beiden starken Teile des Films. Der kraftvolle Text, sein charismatischer Autor in grobkörnigen Schwarz-Weiß-Bildern, dazu die schwachen Versuche einer puritanischen Öffentlichkeit, etwas abzulehnen, was sie nicht wirklich begriffen haben – in diesem Spannungsfeld hat der Film Bestand.

Man könne über ein Gedicht nicht in klaren Worten reden, heißt es in der Gerichtsverhandlung, sonst wäre es ja kein Gedicht. Warum es der Film dann aber mit Bildern versucht, bleibt rätselhaft. Die Interviews und mehr noch die pseudopsychedelischen Animationen nehmen dem Film die Atmosphäre, die er mühsam aufgebaut hat. Im Stile von »Yellow Submarine« und alten U-Comix werden Momente des Gedichts in Zeichentrick gebannt, während der gelesene Text weiter zu hören ist. In den Bildern aber werden die Worte eindeutig und damit banal. Und die Erklärungsversuche in den Interviews unterstützen zwar das Dokumentarische, und damit die Verstehbarkeit des Textes, nicht aber die Faszination der mitunter rein lautmalerischen Sprache. Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass sich ein Film an der Lyrik verhoben hätte.

Darin aber, dass die vier Stränge dieses Films in einem eigenen Rhythmus miteinander verwoben sind, spürt man den künstlerischen Gestaltungswillen von Robert Epstein und Jeffrey Friedman, die nach Jahren der dokumentarischen Arbeit die Grenzen ihres Genres erstmalig in die Fiktion ausweiten. Und da ist »Howl« dann doch weit mehr als nur ein missglückter Film.

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