Kritik zu Hope

© Arsenal Filmverleih

Der autobiografisch gefärbte zweite Spielfilm der norwegischen Regisseurin und Drehbuchautorin Maria Sødahl erzählt, wie ein Paar, das sich schon etwas entfremdet hat, mit einer fatalen Krebsdiagnose umgeht

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Der Lungenkrebs sei zwar besiegt, heißt es in der neuen Diagnose, die Anja (Andrea Bræin Hovig) eher nüchtern als einfühlsam unterbreitet wird, doch der Krebs habe gestreut, und nun gebe es einen Folgetumor im Gehirn. Man könne diesen zwar operieren, aber nicht heilen. Und wie viel Zeit ihr noch bleibt, könne man so genau nicht sagen. Anjas Lebenspartner Tomas (Stellan Skarsgård) hört erst mit erschüttertem Schweigen zu, dann bricht er in Tränen aus. Die drängende Frage, die beide nun vor große Herausforderungen stellt, ist, wie man damit umgeht. Sagt man es den Kindern, seinen älteren und den gemeinsamen jüngeren? Sagt man es dem selbst angegriffenen alten Vater? Den Freunden? Und fährt man dann nach Indien, einfach weil man es schon immer mal wollte? 

Krebs ist kein Konflikt, den man lösen kann. Man kann kämpfen und verlieren, so wie es das Schicksal will. Deshalb bricht Maria Sødahl aus der erprobten Drei-Akte-Struktur aus und zählt die Tage herunter, bis zur Operation, für die sich Anja etwas zögerlich entschieden hat. Und diese Tage sind ohnehin besonders, denn es handelt sich um die Weihnachtsfeiertage, in eisiger norwegischer Kälte, dunkel und voller Festtagsbraten, Alkohol und anderen Genüssen. Vor der Operation, so entscheiden sie eher belustigt als ernsthaft, wollen Tomas und Anja noch heiraten. Was kann man denn sonst tun? Besser als nichts. 

Das Weihnachtsfest ist in diesem Jahr also ein ganz anderes. Aber solange niemand von Anjas Krankheit weiß, gibt es Missverständnisse, Kränkungen und offene Wünsche, um die sich niemand kümmert. Es sind Tage der Besinnlichkeit und des nahenden Endes, in denen Tomas und Anja sich noch einmal ungeheuer nahekommen. So wird ihre funktionale Eheschließung doch noch eine Liebesheirat. Wenn der Tod unausweichlich näherkommt, wendet man sich nach hinten, schaut in die Vergangenheit auf gelebtes Leben und lässt vergangene Glücksgefühle aufleben. Auf der Palette der Emotionen aber fehlt deutlich eine, die titelgebende Hoffnung. Selbst wenn sie sprichwörtlich zuletzt stirbt, hier ist sie ein falsches Gefühl. Anjas Krankheit wird nicht geheilt werden.

Maria Sødahl, die Ehefrau des norwegischen Regisseurs Hans Petter Moland, hat einen Erinnerungsfilm gedreht – es ist der Rückblick, der die Handlung bestimmt. In Tomas' und Anjas Leben bricht etwas ein, das die Routinen zerstört, keinen Raum lässt für Banalitäten. Jeder Versuch, einfach so weiterzumachen, entlarvt sich selbst in seiner ganzen ­Absurdität. Aber auch ein bucket list-mäßiges Abarbeiten alter Wünsche und Sehnsüchte ist absurd. Der Sterbende konzentriert sich auf sich und sucht nach einer letzten Entspannung und einer Linderung der Angst. In ihrem einfühlsamen Porträt einer ­Beziehung unter Druck hat Maria Sødahl einen Weg gefunden, realistisch genau zu erzählen, ohne die fiktionale Spannung aufzugeben.

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