Kritik zu Heimatkunde

© titanic.filmverleih.

2007
Original-Titel: 
Heimatkunde
Filmstart in Deutschland: 
02.10.2008
L: 
94 Min
FSK: 
keine Beschränkung

»Zonen-Gabi (17) im Glück: Meine erste Banane (BRD)« heißt ein berühmtes Cover der Satirezeitschrift »Titanic«. Nun hat deren ehemaliger Chefredakteur Martin Sonneborn den Osten rund um Berlin bereist: Deutschland, alltäglich

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Am Anfang steht der Sprung ins kalte Wasser. Martin Sonneborn nimmt ein Bad in der Havel. »Ich war wahrscheinlich der Erste, der versuchte, die Havel an der Glienicker Brücke in Richtung Osten zu durchqueren«, heißt es dazu im Off, und diese Eröffnung gibt gewissermaßen die Schlagzahl für den Film vor. Vier Wochen und 250 km lang hat Sonneborn die Peripherie von Berlin zu Fuß umrundet und mit einem kleinen Kamerateam festgehalten, was ihm dort begegnet bei seinen »Feldforschungen im Grenzgebiet«, so der Untertitel.

Der erste Bewohner der Zone, dem Sonneborn begegnet, liegt auf einer kaputten Brücke über dem Teltowkanal und sonnt sich nackt, »weil nackt is jesünder, dit is einfach so«. Sonneborn trifft auf Ruinen und ehemalige, jetzt verrottete Stasi-Heime. Er steigt in den Pool eines alten Paares und trifft auf einen Bürger aus Marzahn, der vom genormten Schnitt der Plattenbauten schwärmt. Da konnte man den Teppichboden ganz einfach mitnehmen.

Satire darf alles, hat Kurt Tucholsky einmal geschrieben, und Sonneborn dringt in fremde Wohnungen ein wie sonst nur die Kamerateams des Privatfernsehens. Aber man kann ihm nicht vorwerfen, dass er die Menschen vorführt, provoziert oder zu falschen Aussagen verlockt. Oder sagen wir mal: nur selten. Darum ist aus dieser Form der Heimatkunde keine Ossi-Verarsche herausgekommen, sondern ein zutiefst melancholischer Film mit eher geringen Humoranteilen, für die am ehesten noch der Off-Kommentar im Stil eines Kulturfilms der fünfziger Jahre sorgt. Es gibt auch recht bedrückende Szenen. Einmal trifft er auf zwei 15-jährige rauchende Mädchen, die schon angestrengt überlegen müssen, was denn die DDR war. Hatten wir in Politischer Bildung, heißt es.

Das Prinzip dieses Films ist die Reihung, die Epik und nicht die Dramatik, aber zumindest am Ende des Films weiß man, dass es mit dem Zusammenwachsen doch nicht so funktioniert.

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