Kritik zu Harry Potter und die Heiligtümer des Todes: Teil 2

© Warner

2011
Original-Titel: 
Harry Potter and the Deathly Hallows: Part 2
Filmstart in Deutschland: 
13.07.2011
Sch: 
L: 
147 Min
FSK: 
12

Endet wirklich alles? Das Finale der als Kinderfilm gestarteten Zauberersaga entpuppt sich als dramatischer und tragischer Kriegsfilm

Bewertung: 4
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Wird Harry Potter den Zauberstab abgeben? Diese Frage dürfte sich auch für Nichtkenner des Romanepos von Joanne K. Rowling längst beantwortet haben. Doch wer in der finalen Schlacht um Hogwarts sterben wird, das ist durchaus nicht allen Zuschauern bekannt. Und gestorben wird viel, wenn auch im Toleranzbereich der FSK-Freigabe ab 12.

David Yates, der mit dem achten und letzten Film die Hälfte der Pottersaga inszeniert hat, bleibt konsequent seinem düsteren Stil, der im ersten Teil viele Zuschauer befremdete, treu. Nun erweist sich der elegische Vorgänger, in dem sich Harry, Hermine und Ron auf der Flucht vor Voldemorts Häschern durch ein endzeitliches Land schlugen, als passende Verschnaufpause vor dem dramatischen Kriegsfilm, als der sich der Showdown entpuppt.

Die »Harry Potter«-Saga ist ein Phänomen popkultureller Massenhypnose. Joanne K. Rowlings ab 1997 veröffentlichte Kinderbücher, weltweit in über 400 Millionen Exemplaren an Kleine und zunehmend an Große verkauft, führten zur erfolgreichsten Filmserie aller Zeiten, die mit dem Abschlussfilm geschätzte sieben Milliarden Dollar einspielen wird. Zwar ließ sich der anfängliche Plan, jährlich einen der sieben Bände zu verfilmen, nicht durchhalten. Doch während der zehnjährigen Dreharbeiten blieb das gesamte Ensemble bei Fuß – außer »Dumbledore« Richard Harris, der 2002 verstarb und von Michael Gambon ersetzt wurde. Die Hauptdarsteller Daniel Radcliffe, Emma Watson und Rupert Grint sind unter den Augen des Publikums erwachsen geworden.

Bald erwies sich »Harry Potter« Daniel Radcliffe, die vorherbestimmte Erlöserfigur, als der langweiligste Charakter der verfilmten Saga; die gescheite Hermine dagegen stieg zum weiblichen Rollenmodell auf. Sehr hübsch ist es deshalb, wie das aufgeräumte Fräulein in die Haut ihrer Antipodin, der hysterisch- lasziven »Drama Queen« Bellatrix Lestrange, schlüpfen muss, um sich Zutritt zu deren Schatzkammer in der Gringotts-Bank zu verschaffen. Auch im weiteren Verlauf setzt Yates, nicht immer genau nach den Buchstaben, aber doch im Geiste Joanne K. Rowlings feinsinnige und augenzwinkernde Akzente, die das Abhaken der vielen Romanstationen auflockern.

Harry & Co gelangen auf ihrer »Horkrux«- Schnitzeljagd zurück nach Hogwarts. Im Guerillastil infiltrieren sie ihre alte Schule und vertreiben den zwielichtigen Direktor Snape. Während Voldemorts Truppen anrücken, enthüllt sich Harry seine entsetzliche Bestimmung. Visuell macht das Abenteuer, von der monumentalen Schalterhalle der Gringotts- Bank über unterirdische Achterbahnfahrten und Drachenflüge bis zur Hogwarts-Schlacht einiges her. Wie die chinesischen Terrakottaarmeen werden steinerne Krieger lebendig. Zauberstabduelle sind dagegen von Star Wars- Laserschwertern inspiriert, und die Armeen des Bösen wirken etwas ork-esk. Vor allem aber kommen einem bei den einstürzenden Gewölben, Lazaretten und churchillhaften Durchhalteparolen der Zweite Weltkrieg und die Bombardierung der Kathedrale von Coventry in den Sinn. Von den faschistoiden »Todessern« in Teil 1 spinnt Yates also den Faden weiter.

Doch die Effekte treten zugunsten emotionaler Höhepunkte in den Hintergrund. Erneut gibt sich der britische Schauspieleradel ein Stelldichein, muss sich diesmal aber meist mit Miniauftritten begnügen. Nur Ralph Fiennes als reptilhafter Zampano Voldemort fuhrwerkt mit dem ganzen Aplomb, dessen ein gefeierter Shakespearedarsteller fähig ist, durchs Gelände – und macht vergessen, dass er ein grandioser MacGuffin ist, der die Handlung antreibt, ohne dass sein eigentliches Wirken je klar wird. Außerdem schlägt endlich die Stunde von Alan Rickman als Serverus Snape: Snapes Tränen, und nicht der bezaubernde Kuss zwischen Ron und Hermine, stellen den emotionalen Siedepunkt des Spektakels dar.

So führt Joanne K. Rowlings komplexer Schaltplan alle Artefakte, Tricks, Tote und Lebende (und alle Mythen und Sagen, die sie verwurstet hat) zu einem schlüssigen und pädagogisch wertvollen Ende, das ohne Zeigefinger auskommt. War das jetzt wirklich alles? Die »Denkarien«, in denen die Vergangenheit der Hauptfiguren angedeutet wird, zeigen, dass sie noch jede Menge Stoff für Fortsetzungen in der Hinterhand hat.

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