Kritik zu Gutland

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Frederick Lau spielt den gesuchten Verbrecher Jens, der Zuflucht in einem luxemburgischen Dorf sucht. Erst spät kommt er dahinter, dass die Dorfbewohner ihr eigenes Spiel mit ihm treiben

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Friedlich liegt die Gegend in der Abenddämmerung. Grüne Wiesen, ein Acker, ein Wäldchen, sanfte Hügel und in der Mitte ein kleines Dorf, in dem die Lichter ein Gefühl von Wärme verströmen. Wenn da ein Fremder wie aus dem Nichts darauf zuläuft, dann verheißt das meist nichts Gutes, entweder für das Dorf oder für den Fremden. Zumindest im Western.

Aber das Dorf heißt Schandelsmillen und liegt in einer luxemburgischen Gegend namens Gutland, die es tatsächlich gibt. Als der Fremde, ein Deutscher namens Jens (Frederick Lau), dort auftaucht, feiern die Einheimischen gerade einen bayrischen Abend. Sie sind nicht unbedingt ablehnend, die Dorfbewohner, aber zugeknöpft. Nur eine nicht: Lucy (Vicky Krieps), die Tochter des Bürgermeisters, die schnell Sex mit dem Fremden hat, vielleicht ein bisschen zu schnell, vielleicht ein bisschen zu heftig. Jedenfalls entschuldigt sie sich dafür.

Jens sucht Arbeit als Erntehelfer. Aber die Bauern in der Gegend sind schon mittendrin, haben ihre Leute schon engagiert. Und was ein Deutscher in ihrer Gegend sucht, ist ihnen auch nicht so transparent. Erst als sich der Bürgermeister einschaltet, bekommt Jens einen Job bei einem Bauern, darf in einem ranzigen Wohnwagen auf dem Gelände des Hofes wohnen. Wenn die Fenster des Wagens in der Dunkelheit der Nacht leuchten, dann hat das durchaus etwas Unheimliches.

Der luxemburgische Regisseur Govinda Van Maele schürt diese mysteriösen Momente. Das Grauen liegt um die Ecke, lauert überall. Und es gibt seltsame Momente. Einmal kommen zwei Polizisten in die Dorfkneipe und fragen, ob man ein paar Deutsche gesehen hätte, die haben nämlich »drüben« ein Spielcasino ausgeraubt, und die Vermutung liegt nahe, dass sie über die Grenze sind. Nein, sagt da der Bürgermeister, es gibt nur einen, und der sei schon länger da. Niemand widerspricht. Ist das Ausweis einer beginnenden Sympathie und Freundschaft? Denn Jens wird allmählich in die dörfliche Gemeinschaft integriert, macht auch mit, weil er ja nicht auffliegen will, spielt nun in der Blaskapelle, obwohl er gar kein Instrument beherrscht. Womit die anderen ganz erstaunlich nachsichtig umgehen.

Oder steckt was ganz anderes hinter der Aufnahmebereitschaft der Dörfler? Haben sie auch etwas zu verbergen? Denn Jens bekommt mit, dass Lucy Nacht für Nacht zu einem verlassenen Haus geht und den Hund füttert. In seinem Wohnwagen findet er selbstgemachte Nacktfotos, denen die Köpfe fehlen. Und als seine beiden Kumpane auftauchen und das Geld wollen, das er im Wald versteckt hat, werden sie kurzerhand erschossen und in der Jauchegrube versenkt. Das geht dann doch über reine Freundschaft hinaus . . .

Denn die Dörfler haben auch einen Plan, aber das merkt Jens erst viel zu spät in diesem Noir-Thriller, der Fäden auslegt und sie schließlich wie eine Schlinge um den Hals von Jens zuzieht. Sicher, am Ende geht es ein bisschen schnell zu, aber bis dahin ist »Gutland « ein gelungenes Stück deutschsprachiges Genrekino.

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