Kritik zu Ganz weit hinten

© 20th Century Fox

2013
Original-Titel: 
The way way back
Filmstart in Deutschland: 
05.12.2013
L: 
103 Min
FSK: 
keine Beschränkung

Hauptsache Ferien: Steve Carell und Sam Rockwell liefern sich in einer ­Coming-of-Age-Komödie eine Art Fern­duell des Ersatzvatertums für einen ungelenken 14-jährigen Teenager

Bewertung: 3
Leserbewertung
3
3 (Stimmen: 1)
Am Anfang steht eine Demütigung: »Wo würdest du dich auf einer Skala von 0 bis 10 einordnen?«, wird da der 14-jährige Duncan von Trent, dem neuen Freund seiner Mutter, gefragt. »Ich weiß nicht«, sagt der Junge etwas unsicher, »vielleicht eine Sechs?«. »Eine Sechs?«, blafft Trent spöttisch zurück, »für mich bist du eher eine Drei.« Die beiden sitzen im Auto, unterwegs zu Trents Ferienhaus an der Küste Neuenglands, Duncans Mutter Pam schläft. Für den introvertierten Teenager gibt es keine Hilfe und kein Entkommen. Und die Sommerferien haben gerade erst begonnen.
 
Ganz weit hinten
ist das Regiedebüt von Nat Faxon und Jim Rash, die für ihr Drehbuch zu Alexander Paynes The Descendants den Oscar bekamen. War dieser Film in gewisser Weise die Coming-of-Age-Geschichte eines erwachsenen Mannes, erzählen sie nun von einem Jungen, der bei aller pubertären Verunsicherung oft hellsichtiger erscheint als die Erwachsenen um ihn herum. Die kompetitive Art von Trent geht Duncan ebenso ab wie die forcierte Partylaune seiner Mutter. »Urlaub in Cape Cod ist so was wie Spring Break für Erwachsene«, heißt es einmal, und tatsächlich vergnügen sich mit Trent, Pam und ihren Freunden die Übervierzigjährigen bei jeder Menge Alkohol, Joints und albernen Witzen. Teenager Duncan hingegen sucht Verantwortung und einen Job. 
 
Bis dahin funktioniert Ganz weit hinten als fein gezeichnetes Porträt einer nicht ganz glücklichen Patchworkfamilie, angesiedelt in einer Umgebung, die charmant aus der Zeit gefallen wirkt. Die Pointen sind stimmig gesetzt, die Charaktere wohltuend ambivalent, die Schauspieler hervorragend. Vor allem der Newcomer Liam James als Duncan gibt eine der präzisesten Darstellungen unbeholfener Adoleszenz seit langem. Er versteht es meis­terhaft, das Seelenleben des Teenagers allein durch Körperhaltungen und Kopfbewegungen auszudrücken; Duncan ist nicht unbedingt ein sympathischer Junge, dennoch fühlt man mit ihm.
 
Spätestens aber, wenn er seinen Ferienjob in einem Wasservergnügungspark antritt, fühlt man sich an Greg Mottolas Adventureland erinnert. Es scheint, als hätten Faxon und Rash sich diesen zu Unrecht übersehenen Film als Blaupause genommen und den melancholischen Humor durch vermeintlich publikumswirksamere Gags ersetzt. Das geht nach hinten los: Vor allem durch die Figur des rüpelhaften Bademeisters Owen (Sam Rockwell) kommt ein enervierend hysterischer Fehlton ins Spiel. Aber auch sonst gelingt es dem Drehbuch nicht, die Familiengeschichte und die Ferienjobhandlung sinnstiftend zu verzahnen. Vielmehr wirkt die Erzählung überfrachtet mit Ansätzen, die nicht recht zum Tragen kommen, zum Beispiel der Idee, alle Hauptcharaktere als Gegensatzpaare anzulegen – etwa die ängstliche Pam und die sexuell offensive Nachbarin Betty sowie Duncans »Ersatzväter« Trent und Owen. Aber man erfährt zu wenig über sie. Zu den Stärken des Films gehört es wiederum, dass Duncan am Ende zwar eine kleine Revanche für die anfängliche Erniedrigung bekommt, aber die Konflikte nicht in wohlfeile Harmonie münden. Das Leben geht einfach weiter, irgendwie. Manchmal ist das schon ­eine Menge.

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