Kritik zu Forever and a Day

© Tempest Film

2014
Original-Titel: 
Forever and a Day
Filmstart in Deutschland: 
26.03.2015
L: 
100 Min
FSK: 
keine Beschränkung

Ein interessierter Film über eine der international erfolgreichsten deutschen Bands, der zugleich von der Schwierigkeit des Abschieds handelt und von dem großen Satz: »Rock ’n’ Roll can never die

Bewertung: 3
Leserbewertung
2
2 (Stimmen: 1)

Jeder weiß, dass man aufhören soll, wenn es am schönsten ist. Und jeder ahnt die Schwierigkeiten, die das bereitet. Den Scorpions geht es nicht anders. Am 24. Januar 2010 gab die Band auf ihrer Website bekannt, dass sie sich nach dem nächsten Album und einer Farewell-Welttournee auflösen wolle. An diesem Faden entlang erzählt Katja von Garnier ihre Geschichte der erfolgreichsten deutschen Hardrock-Band. Der Satz des Gründers Rudolf Schenker, dass die Band in Würde abtreten wolle, ist mit der Tatsache, dass 2013 noch ein MTV-Unplugged-Album entstand und für 2015 ihre 50th Anniversary Tour angekündigt ist, noch nicht widerlegt. Würde ist eine Frage der subjektiven Empfindung.

50 Jahre Bandgeschichte umfasst dieser Film, Momente aus privaten Filmaufnahmen, Konzertmitschnitte, Interviews. Die Frisuren ändern sich, manchmal auch die Meinungen, aber die Musik bleibt gleich. Wie sonst nur AC/DC haben die Scorpions zwei Songs über Dekaden hinweg variiert, den Hammer und die Ballade. Wobei die Ballade mit Sicherheit die stabilere Säule des Erfolges war. Denn der Zufall wollte es, dass ein Lied des Dankes an die russischen Entscheidungsträger, die einer Tournee zugestimmt hatten, im September 1989 erschien und zur Hymne der Wiedervereinigung wurde: »Wind of Change«. Eines der vielen Lieder, die das Publikum in den ausgestreckten Mikrofonständer von Klaus Meine grölt, und das bei allem Kitsch doch Bestand hat.

Man muss die Musik der Scorpions nicht mögen, um Katja von Garniers Film genießen zu können. Dass sie ein besonderes Gespür für Rhythmus besitzt, hat sie in ihrem Film Bandits bereits bewiesen. Sie findet in ihrem Bandporträt die erstaunliche Balance zwischen Musikbeispielen und reflektierten Selbstaussagen etwa von Rudolf Schenker und Klaus Meine, aber auch von vielen anderen Wegbegleitern. 18 Monate ist sie bei der vermeintlich letzten Tour dabeigewesen und hat sich nicht zu einer banalen Heldengeschichte hinreißen lassen. Das Triumphale der einzelnen Auftritte, die Drogen Erfolg und Öffentlichkeit, die mehr als 100 Millionen verkauften Platten weltweit haben die Jungs aus Hannover zwar verrückt, aber nicht überheblich gemacht. Zwischen Budapest, Beirut und Bangkok berichten sie von den kleinen Anfängen als Vorgruppe der Lords oder der Searchers bis hin zu den Fußballstadien mit 20 000 Menschen.

Viele der alten Wegbegleiter wie der verstorbene Scorpions-Manager Peter Amend sind in diesem Film zum letzten Mal zu sehen, prominente Fans wie Paul Stanley von Kiss oder Wladimir Klitschko leisten auch ihren Beitrag. Die kleinen Wandlungen der Band, die viele Hardcore-Fans verschreckten, ihr Versuch, sich neu zu erfinden, nur um daran milde zu scheitern, all das kommt in diesem niemals auftrumpfenden Film zur Sprache. Natürlich ist diese Bandgeschichte keine kritische Auseinandersetzung. Aber der Film schafft Raum für Selbstkritik und macht bei aller Unterhaltung auch den Nichtfan nachdenklich.

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