Kritik zu Duff — Hast du keine, bist du eine

© Capelight Pictures

Die amerikanische Highschool-Komödie und ihr Erfindungsreichtum, was griffige Abkürzungen für soziologisch hochkomplexe Phänomene betrifft: Diesmal geht es um das Konzept der »designierten hässlichen Freundin«

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Teenagern traut man hierzulande eine Menge zu. Anders kann man die Entscheidung kaum erklären, eine Highschool-Komödie mit einem Titel zu versehen, den man erst in einem »urban dictionary« nachschlagen muss. DUFF nämlich steht für »designated ugly fat friend«, und außerhalb der Schulhöfe nützt auch diese Erklärung wohl erst mal wenig, steckt doch ein ganzes soziologisches Konzept dahinter: Jede Clique aus schönen, attraktiven jungen Menschen braucht demnach ein Mitglied, das nicht ganz so gut aussieht. Erstens um die Schönen schöner aussehen zu lassen, und zweitens um als Zugangsportal zur Außenwelt zu dienen. Wer schon mal freundlichst angesprochen oder gar zum Kaffee eingeladen wurde, um dann zu erleben, dass das Gegenüber eigentlich am besten Freund oder der besten Freundin interessiert ist, weiß, wie sich Letzteres anfühlt. Der deutsche Zusatz »Hast du keine, bist du eine« entpuppt sich deshalb bei genauerer Betrachtung als recht wortgewandte Kurzfassung für das DUFF-Konzept. Und wenn es einer anderen amerikanischen Highschool-Komödie (American Pie) gelang, den aussprachetechnisch viel sperrigeren Terminus MILF in der Welt zu etablieren, warum nicht auch DUFF?

Der Film beginnt mit der inzwischen obligatorischen Vorstellungsrunde durch die Highschool. Ausgeschmückt mit freeze frames und Sprechblasen präsentiert da ein Ich aus dem Off zuerst seine wunderbaren Freundinnen, beides langhaarige, schlanke Schönheiten, und dann sich selbst, Bianca, Horrorfilmfan und Einserschülerin. Mit Flanellhemd, Jeans und nachlässig geschnittenen Haaren nicht ganz so laufsteg-geeignet wie die Freundinnen. Nicht, dass Bianca das schon einmal aufgefallen wäre. Aber dann verdichten sich die Hinweise: Wenn sie zu dritt unterwegs sind, wird Bianca von anderen regelmäßig übergangen. Wenn sie allein ist, spricht man sie fast nur auf ihre Freundinnen an. Ihr Freund aus Kindheitstagen, Wes (Robbie Amell), der es selbst in die Ränge der begehrten »Jocks« geschafft hat, klärt sie schließlich auf: Sie sei eine DUFF. Und auch wenn das »ugly« oder »fat« nicht allzu wörtlich zu nehmen, ist Bianca doch zunächst so geschockt wie beleidigt. Und sucht dann, unterstützt von Wes, Wege, um aus der Funktionszuschreibung auszubrechen. Wie üblich in Komödien dieser Art wird dadurch erst mal alles nur noch schlimmer.

DUFF kann es zwar mit den großen Vorbildern des Genres wie Mean Girls oder 10 Dinge, die ich an Dir hasse nicht aufnehmen, erweist sich aber als angenehm selbstironisch, ohne dabei ins Alberne abzudriften. Cyber-Mobbing und seine endlosen Varianten kommen vor, aber die Empörung darüber bleibt auf Augenhöhe mit den Gags, die der Film einsetzt, um seine doch recht anspruchsvolle Soziologie zu entwickeln. Und allein schon dieser leichthändige und gleichzeitig scharfsinnige Umgang mit Themen, die sonst nur im gewichtigen Modus des Kulturpessismismus abgehandelt werden, macht den Film sehenswert.

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