Kritik zu Dritte Person

© Sony Pictures

Ein neuer Episodenfilm von Paul Haggis, dessen L.A. Crash 2006 in berüchtigter Weise Ang Lees Brokeback Mountain den Oscar als bester Film wegschnappte. Diesmal steht bei Haggis das Thema Beziehung im Fokus

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Dass Paul Haggis' L.A. Crash 2006 mit dem Oscar als bester Film bedacht wurde, gilt vielen bis heute als eine der krassesten Fehlentscheidungen in der Geschichte der Academy Awards. Denn selbst wer damals nicht zum »Team Brokeback Mountain« gehörte, kam nicht umhin, dem Episodendrama rund um das Thema Rassismus etliche Schwächen (manchen Stärken zum Trotz) zu attestieren. In Haggis' neuem Film sind diese nun so eklatant, dass mit Auszeichnungen immerhin nicht gerechnet werden muss.

Drei Geschichten erzählt Dritte Person parallel, ohne dass zunächst ein Bezug zwischen ihnen erkennbar ist. Ein Pulitzerpreisträger (Liam Neeson) ringt in einem Pariser Luxushotel mit seinem neuen Buch und einer störrischen Geliebten (Olivia Wilde), derweil daheim die frisch verlassene Ehefrau (Kim Basinger) trauert. In New York kämpft eine junge Frau (Mila Kunis) um das Sorgerecht für ihren Sohn, das ihr der Künstler-Ex (James Franco) nach einem tragischen Vorfall streitig machen will. Und in Rom verguckt sich ein US-Geschäftsmann (Adrien Brody) in eine Rumänin (Moran Atias), die ihre Tochter zu sich holen möchte.

Ähnlich wie schon damals in L.A. Crash vertraut Haggis auch hier den einzelnen Bestandteilen seines Drehbuchs so wenig, dass er früher oder später alles, was er über Liebe und Verlust, Vertrauen und Fiktion zu sagen hat, auch ganz unsubtil ausbuchstabiert. Hauptproblem daran: Weder hat das Gesagte besonders viel Substanz, noch ist die Erzählstruktur annähernd so clever oder mysteriös, wie er uns glauben machen will. Bis im letzten Drittel der vermeintliche Aha-Moment seine Wirkung entfaltet, hat man bereits gut anderthalb Stunden damit zugebracht, sich für keine der Geschichten oder Figuren in diesem romantischen Thriller sonderlich zu interessieren. Was nicht nur angesichts des durchaus hochkarätigen Ensembles eine ziemliche enttäuschende Leistung ist

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