Kritik zu Doktorspiele

© 20th Century Fox

Der 17-jährige Frankfurter Schüler Andi in Liebesnöten: Marco Petrys Teenager­komödie versucht die Balance zu halten zwischen puber­tären Geschmacklosigkeiten und tiefromantischen Gefühlen

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Im Grunde ist das genuin deutsche Genrekino Anfang der 80er Jahre ziemlich sang- und klanglos untergegangen. Vielleicht könnte man Siggi Götz mit seinen kruden Hybriden aus Schlagerfilm und Sexkomödie als letzten Vertreter dieses Kinos bezeichnen, das von rigorosem Kommerz, aber auch von einer gewissen, schönen Kintopp-Unschuld geprägt war. Seither hat es zwar genügend Wiederbelebung des Genrekinos in Deutschland gegeben. Doch man orientierte sich an amerikanischen und französischen Vorbildern; hinzukommt, dass der Umgang mit den populären Gattungen sehr bewusst und reflexiv erfolgte. Seit geraumer Zeit greift dieses deutsche Post-Genrekino neben internationalen Einflüssen nun doch wieder auf deutsche Exploitation-Traditionen zurück, wie vor allem der Erfolgsfilm Fack ju Göhte beweist, der sich auf den Pennälerfilm beruft. Dieses durchaus subversive Subgenre hatte auch schon Regisseur Marco Petry mit Schule oder Die Klasse von 99 auf interessante Weise bereits wiederbelebt.

Jetzt hat Petry eine Teenagerkomödie vorgelegt, die auf dem gleichnamigen Roman von Jaromir Konecny beruht. Es geht um eine Gruppe von Gymnasiasten aus Frankfurt. Im Mittelpunkt steht der 17-jährige Andi, dessen Eltern, gespielt von Christiane Paul und Oliver Korittke, einen leicht chaotisch-alternativen Haushalt führen. Der junge Andi ist der Held dieser Geschichte: weil er nicht ganz so testosterongesteuert ist wie sein pornosüchtiger Kumpel Harry. Andi, der auch eine gewisse Sensibilität verströmen muss, steht bald zwischen zwei Mädchen: zwischen der arroganten rich bitch Katja, die er voll und ganz zu lieben glaubt, und der verständnisvollen, aber auch selbstbewussten Lilly, die er seit frühester Kindheit kennt und als Schwester zu betrachten scheint. Eine allzu simpel-moralische love story bahnt sich an.

Marco Petry versucht die kruden Späße des Teenie-Films á la American Pie mit einer ernsthaften romantischen Geschichte zu kombinieren. Der Klamauk wie die Romantik misslingen. Die üblichen Gags über Körperflüssigkeiten und Geschlechtsteile werden ohne Inspiration heruntergekurbelt.
Auch die romantische Seite des Films mag nicht recht funktionieren. Die jungen Darsteller bleiben blass, ohne Charisma. Was die Inszenierung des Sex-Appeals von Teens anbelangt, hätte Petry durchaus bei alten Genremeistern wie Hubert Frank oder Siggi Götz nachfragen sollen. So bleibt alles an dieser filmgeförderten, auch nach dem Fernsehen schielenden Produktion vorhersehbar, ohne jeden Hauch von instinktiver Unschuld.

Zwei Dinge mögen gefallen an Doktorspiele. Da ist zu einem die Figur des Schönlings, den Jannis Niewöhner ganz formidabel als coolen Außenseiter spielt, und da ist ein einziger Gag, der wirklich funktioniert: Harry, der sexbesessene sidekick von Andi will seiner neuen Freundin die wahre Liebe beweisen, indem er seine umfangreiche Pornosammlung vor ihrem schmucken Elternhaus verbrennt. Doch die Flammen greifen auf das Anwesen über, als wollten sich die Pornos feurig gegen die Prüderie zur Wehr setzten.

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