Kritik zu Dirty Cops: War on Everyone

© Constantin Film

Der in England geborene Ire John Michael McDonagh wechselt nach »The Guard« und »Calvary« ins launige Buddymovie-Fach

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Mangelnde Cleverness kann man dem neuen Film von John Michael McDonagh jedenfalls nicht vorwerfen. Im Gegenteil, »War on Everyone« gehört zu jener Sorte Film, die vordergründig »nur spielen will«, im Hintergrund aber den Zuschauer in einen Dialog verwickelt. So ruft es gewissermaßen »Ist doch nicht so gemeint!« von der Leinwand zurück, sobald man als Zuschauer einwenden möchte, dass man das doch alles schon mal gesehen hat: Korrupte Cops mit losem Mundwerk, die auf der Arbeit auch mal Böses tun, aber das Herz auf dem rechten Fleck haben. Ach ja, diese witzigen Kontraste! Terry (Alexander Skarsgård) und Bob (Michael Peña) sind stets exquisit in feine Anzüge gekleidet, während sie betont »grob« mit ihrer Verbrecherklientel umgehen. Da fährt Terry einen Pantomimen um, weil Bob eben noch darüber sinniert hat, ob ein Mime wohl einen Laut von sich gibt, wenn man ihn erwischt. Skarsgårds Terry hört obsessiv Glenn Campbell (»Rhinestone Cowboy«) und Peñas Bob diskutiert mit seiner Ehefrau über Simone de Beauvoir. Ein Informant gibt in einer Zwangslage sarkastisch bekannt: »Ich bin vertraut mit der ganzen Bulle-Schrägstrich-Spitzel-Dialektik.« Während Cops und Gangster – als Oberbösewicht gibt »Divergent«-Mädchenschwarm Theo James sein britisch-schleimiges Bestes – die »punch lines« nur so fliegen lassen, reicht das kulturelle Namedropping bis zu Joseph Conrad und Marcel Duchamp.

Ein bisschen ist es so, als hätte sich John Michael McDonagh auf gleich mehreren Ebenen nicht entscheiden können: Soll »War on Everyone« postmodern ironisch den 70er-Jahre-Film demontieren oder ihn nos­talgisch feiern? Soll man sich ohne Nachdenken am Genrefilm erfreuen, oder soll man all die cleveren Anspielungen goutieren? Nach »The Guard« und »Calvary«, in denen McDonagh großen Mut zum existenziellen Ernst zeigte, erscheint »War on Everyone« als Enttäuschung. Zumal das Aufbegehren gegen die politische Korrektheit irgendwie ihre Subversivität verloren hat.

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