Kritik zu Die Tochter des Spions

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Eine Geschichte, wie man sie nur aus dem Kalten Krieg kennt: Die Filmemacher Gints Grube und Jaak Kilmi recherchieren mit der lettischen Journalistin Ieva Lešinska ihrem Vater, dem Doppelagenten nach

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Das Wort Spion klingt heute wie aus einer fernen Welt. Und so führt uns auch der Film zurück in die Epoche des Kalten Krieges, als es noch eine Sowjetunion gab, die bis ins Baltikum reichte. Im dortigen Riga lebte die junge Ieva Lešinska als Tochter eines sowjetischen UN-Angestellten. Was sie lange Zeit nicht wusste: Vater Imants war ein US-sowjetischer Doppelagent, der schon seit 1960 davon träumte, ganz zur Gegenseite überzulaufen. 

Als Ieva ihn und seine zweite Frau 1978 in den Ferien in New York besucht, macht er diesen Traum zur Realität und stellt die Tochter vor vollendete Tatsachen. Auf seinen Wunsch bleibt sie bei ihm in den USA, wo die Familie fortan in einem FBI-Schutzprogramm lebt. Für das 19-jährige Mädchen traumatisierende Erlebnisse – auch wegen Schuldgefühlen gegenüber der in Riga zurückgebliebenen Mutter. Erst nach dem Mauerfall – der Vater starb 1985 – kehrt sie 1991 nach Lettland zurück, wo sie heute als Journalistin arbeitet. Erst spät begann sie, der eigenen Geschichte nachzuforschen.

Die Regisseure Jaak Kilmi und Gints Grube stellen diese Recherchen ins Zentrum ihres Films und illustrieren die Vergangenheit mit nachgestellten und musikalisch hochgepushten Erinnerungsschnipseln. Dazu ein zwischen Aufklärungswunsch, Trauer und Anklage irrlichternder Kommentar von Ieva, der – wie auch alle anderen Sprechsituationen im Film – in der deutschen Fassung durch ein flächendeckendes Voice-over aufdringlich in den Vordergrund gespielt wird. 

Das nervt. Problematisch ist aber auch die Filmerzählung selbst, die die subjektive Perspektive der Tochter ohne eigenständiges Erkenntnisinteresse ungebrochen übernimmt. Da passt es, dass auch die performativ ausgestellte Inszenierung der Erinnerungsbilder hier nicht der medialen Selbstreflektion, sondern der Emotionalisierung dient. Richtig Richtung Kolportage geht es dann, wenn die bis heute ungeklärten Todesumstände des Überläufers Imants Lešinski ins Visier kommen. Erhellung bringt auch das nicht.

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