Kritik zu Die Legende vom hässlichen König

© mîtosfilm

2017
Original-Titel: 
The Legend of the Ugly King
Filmstart in Deutschland: 
11.10.2018
L: 
122 Min
FSK: 
Ohne Angabe

Der deutsche Filmemacher Hüseyin Tabak porträtiert den Regisseur, Schauspieler und politischen Gefangenen Yilmaz Güney, der 1984 viel zu früh verstarb und sein großes Vorbild war

Bewertung: 4
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Er war einer der ersten Bootsflüchtlinge aus der Türkei: Als Yilmaz Güney nach einem Hafturlaub im Herbst 1981 in einer Badebucht in der Südtürkei in ein Boot nach Athen stieg, war das von seinen Schweizer Produzenten eigens für ihn gechartert. In der Türkei war Güney damals schon als Darsteller und Regisseur ein Volksheld und Superstar. Wenig später wurde er auch im Rest der Welt berühmt, als er in Cannes für den aus dem Gefängnis gedrehten Film »Yol – Der Weg« gemeinsam mit dem ebenfalls im Pariser Exil lebenden Griechen Costa-Gavras die Goldene Palme erhielt.

Die Fluchtgeschichte erzählt im Film Mit-Initiator Donat Keusch als einer von vielen Weggenossen und Freunden Güneys, die Hüseyin Tabak für sein Porträt vor die Kamera holt, darunter der ehemalige Cannes-Leiter Gilles Jacob, zwei Ex-Gattinnen und die Mutter. Im Unterschied zu vielen anderen glatten Porträtfilmen sind hier die Zeitzeugen mehr als bloße Stichwortgeber zur Verklärung. Denn Tabak legt seinen Film als ganz persönliche Suchbewegung vor uns aus. Der Mann, den er sucht, war ihm selbst im Leben künstlerisches Leitbild. Aber er war auch eine höchst widersprüchliche Figur.

Tabak, wie Güney Arbeitersohn kurdischer Herkunft, baut seine Projektplanung als eine Art Gliederung in den Film ein. So sieht man den Regisseur, der sich in Hamburg (ebenfalls wie Güney) selbst das Handwerk anlernte und dann an der Wiener Filmakademie studierte, im Studio oder im Zug an Storyboards kritzeln. Oder er holt sich bei seinem ehemaligen Lehrer Michael Haneke Rat für sein Projekt. Eitel ist das nie.

Die Erzählung führt von Cannes über den schillernden Aufstieg bis zu Flucht, Pariser Exil und zum frühen Krebstod 1984. Yilmaz Pütün (wie er noch hieß) sah sich zuerst als Literat, wurde dann aber vom Filmvorführer erst zum Darsteller-Außenseiter und dann in über hundert Rollen als türkischer Belmondo-Robin-Hood (darunter auch der Titel »Der hässliche König«) zum populärsten Schauspieler des Landes. Es folgt die Wende zu eigenen Regiearbeiten und dezidiert links-revolutionären und kurdischen Positionen. Und Gefängnisaufenhalte, für den ersten 1961 war noch eine Kurzgeschichte Anlass. Am Ende bekam er für einen nie aufgeklärten Mordversuch an einem Staaatsanwalt neunzehn Jahre. Auch im Exil waren ihm Agenten des Militärregimes auf den Fersen.

Der Film verschweigt Güneys dunkle Seiten nicht. Etwa, dass der Mann, der in seinen Filmen oft die patriarchalen Strukturen der türkischen Gesellschaft anklagte, selbst ein eifersüchtiger Macho war. Vielleicht auch deswegen gelingt es Tabaks Film, das Besondere an Güney zu greifen, obwohl dieses kurze pralle Leben immer wieder aus den zwei Stunden Filmlänge platzt. Er erinnert auch an die Zeit, als Mitterrand mit Kulturminister Jack Lang Frankreich zu einem Mekka politischer verfolgter Künstler der Welt machte. Und nicht erst, wenn Tabak am Ende den Ton einer Rede Güneys zum kurdischen Newroz-Fest von 1983 zu Szenen aus dem aktuellen Diyarbakir montiert, sind wir in diesem Film parallel immer auch in Erdogans Hier und Jetzt.

Meinung zum Thema

Kommentare

Wieso Mordversuch an Staatsanwalt,dazu nicht aufgeklärt ? Es müsste heissen, '' Mord an Richter,bewiesen''.

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