Kritik zu Die kleine Hexe

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Die Vorlage gehört zu Otfried Preußlers erfolgreichsten Kinderbüchern und ist auch nach 60 Jahren noch populär, weshalb sich diese Verfilmung nah an ihr orientiert

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127 Jahre ist kein Alter für eine Hexe, es handelt sich eher um eine noch recht junge, die sich denn auch so gebärdet. Die kleine Hexe tobt fröhlich im Wald herum, zaubert Suppenlöffel statt Regen und fliegt Loopings mit ihrem Besen. Außerdem sieht sie nicht ein, warum sie in der Walpurgisnacht nicht mit den alten Hexen auf dem Blocksberg tanzen darf. Als sie verbotenerweise hinauffliegt, um mitzufeiern, beginnt das ganze Unheil oder – aus Menschensicht betrachtet – das große Glück. Denn nachdem die kleine Hexe auf dem Blocksberg enttarnt wird, muss sie zur Strafe das große magische Hexenbuch auswendig lernen und ein Jahr später wieder auf dem Berg erscheinen, um ihr Können unter Beweis zu stellen. Bis dahin hat sie ihre Zauberkunst so perfektioniert, dass es ihr gelingt, alle bösen Hexen zu vernichten – ein Freudentag für die Normal­sterblichen. So weit die Rahmenhandlung.

Mit seinem Kinderbuchklassiker »Die kleine Hexe« (1957) wollte Otfried Preußler den Kindern Zuversicht schenken und ihnen erläutern, warum keine bösartigen Hexen mehr existieren. »Die kleine Hexe« ist das dritte Abenteuer, das die Produktion Claussen+Putz nach Otfried Preußler adaptiert hat. Zuerst widmeten sie sich der düsteren Teufelssage »Krabat« (2008), dann dem »Kleinen Gespenst« (2013). Alle drei Abenteuer wurden schon als Animationsfilme realisiert, und da dies zeitlos großartige Filme sind, ist es gut, dass dank ausgefeilter Computertechnik fantastische Realverfilmungen entstehen konnten. Karoline Herfurth spielt die Hexe mit sichtlichem Vergnügen, mit langer Nase und buntem wallendem Outfit wirbelt sie durch die Jahreszeiten. Man kann sich kaum eine bessere Darstellerin für die Rolle vorstellen. Herfurth strahlt eine unprätentiöse Naivität aus, die für eine junge Hexe geradezu perfekt ist. Stets begleitet wird sie von ihrem Raben Abraxas, dessen erzieherische Mahnungen und Ratschläge von Axel Prahl warmherzig vorgetragen, meist aber überhört werden, denn die Hexe beherzigt sie nur selten. Für Kinder ist sie eine ideale Identifikationsfigur, da sie gerne Regeln bricht, ihren Platz in der Welt noch finden muss und sich keinen Autoritäten unterordnet. Hier merkt man bereits den langsam erwachenden antiautoritären Geist der sechziger Jahre, dem Preußler mit all seinen Figuren verschrieben war.

Kernfrage der Geschichte ist: Was ist gut, und was ist böse? Denn die Oberhexe bewertet eine »gute« Hexentat naturgemäß völlig anders als die kleine Hexe, die stets intuitiv handelt und den Menschen hilft, wo sie nur kann. Sie zeigt verirrten Kindern den Weg nach Hause, rettet einen Ochsen vor dem Schlachter und hilft Reisig sammelnden Frauen im Wald.

Drehbuchautor Matthias Pacht und Regisseur Mike Schaerer haben sich eng an der Preußlerschen Welt orientiert. So ist das Hexenhaus ganz nach der Romanvorlage angefertigt, schief und klein, unauffindbar im tiefen Wald versteckt. Eine märchenhafte, zeitlose Anmutung des Films, der detailverliebt mit den klassischen Hexeninsignien spielt.

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