Kritik zu Die Addams Family

© Universal Pictures

In der Neuauflage des bekannten Stoffs um die liebenswürdige Familie, die ein von Horrorelementen umgebenes Leben führt, erweisen sich einmal mehr die ­»Normalen« als die wahren Monster

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Gerade wollen Morticia und Gomez den Bund fürs Leben schließen, als aufgebrachte Kleinstädter die beiden und ihre Angehörigen gewaltsam vertreiben – hier ist kein Platz für die, die anders sind. Die viktorianische Villa auf dem Hügel mit den Ausmaßen eines Schlosses, die sie schließlich in New Jersey finden, scheint allerdings ideal für sie und ihre künftige Familie: eine frühere psychiatrische Anstalt, wo sie mit einem ehemaligen Insassen auch gleich ein neues Familienmitglied, den Butler Lurch, rekrutieren. 13 Jahre später sind die beiden immer noch glücklich verheiratet und haben mit Pugsley und Wednesday zwei Kinder, mit Gomez' Bruder Fester und der Großmutter zwei weitere Familienmitglieder, vom Eiskalten Händchen (einer abgetrennten Hand, die verschiedenste Hilfsarbeiten verrichtet) und dem gelegentlich vorbeischauenden Cousin Itt (ein einziges Haarbüschel) nicht zu reden. Kein Zweifel, wir haben es mit der Addams Family zu tun, die das Licht der Welt zuerst in der 30er Jahren in den Cartoons von Charles Addams erblickte, ihre größte Berühmtheit jedoch in der US-Fernsehserie (1964-66) erlangte; 1998 folgte eine Neuauflage, 1973 und 1992 zwei animierte TV-Serien und 1991 und 1993 zwei Kinospielfilme. Nun wieder ein Animationsfilm – seine Botschaft ist dieselbe: ein Plädoyer für Toleranz gegenüber anderen, mögen sie auch noch so schräg sein.

Im Mittelpunkt der Story steht nun das Erwachsenwerden der beiden Kinder. Bei einem bevorstehenden Familientreffen soll die Mannwerdung des Sohnes Pugsley durch ein Ritual, die Säbelpolka, zelebriert werden, während seine Schwester Wednesday die Freuden der Biederkeit entdeckt und ihr schwarzes Outfit eines Tages mit pinken Accessoires aufpeppt – was Mutter Morticia gar nicht gefällt. Das hat Wednesday ausgerechnet bei ihrer neuen Freundin Parker aufgeschnappt, der Tochter der Showmasterin Margaux, die die Addams-Sippe am liebsten vertreiben würde. Deren Idealvorstellung eines sauberen Suburbia drückt sich schon im Namen Assimilation aus; hier stimmen einmal sogar Kinder mit einem Lied einen Lobgesang auf die Konformität an. Margaux' Frisur besteht aus mehreren gutgeföhnten Tollen, die selbst den amtierenden US-Präsidenten vor Neid erblassen lassen sollten. Auch der verknüpfte früher eine Tätigkeit in der Immobilienbranche mit der Moderation einer Fernsehshow. Da verbindet sich durchaus gekonnt die immerwährende Coming-of-age-Thematik mit einigen aktuellen gesellschaftspolitischen Spitzen.

Auch in seinem Design überzeugt der Film: Während Morticia und Wednesday spindeldürr sind, sind die männlichen Figuren eher klein und rundlich angelegt, das Innere des Anwesens ist in gedeckten Farben bis hin zu monochrom gehalten, was Wednesdays neue Accessoires drastisch hervorhebt (Pink vor Grau). Das Plädoyer für das andere allerdings mündet am Ende in eine halb gare Versöhnung von kleinbürgerlicher Suburbia und den außenstehenden Freaks, die derart überzeichnet ist, dass man sie für eine Parodie des traditionellen Happy Ends halten könnte. Schade.

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