Kritik zu Die 4. Revolution – Energy Autonomy

© Delphi

2010
Original-Titel: 
Die 4. Revolution – Energy Eutonomy
Filmstart in Deutschland: 
18.03.2010
L: 
83 Min
FSK: 
keine Beschränkung

Der katastrophische Agitpropfilm boomt: Nahrungsproduktion, Klima und Kapitalismus an sich standen schon am Pranger. Zu Recht, schließlich ist die Weltlage in so arger Bedrängnis, dass Aktivismus am Platz ist

Bewertung: 2
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Allerdings stellt sich irgendwann die Frage, ob die entsprechenden Produktionen nicht besser im aktuell-politischen Bereich der Medien als in der ästhetisch argumentierenden Kinodoku aufgehoben wären. Auch »Die 4. Revolution«, der im Rahmen einer Eventkampagne zur Propagierung erneuerbarer Energien die Öffentlichkeit anstacheln soll, ist so ein – ins positiv »Mutmachende« gewendeter – Fall.

Die Position von Autor und Produzent Carl-A. Fechner ist deutlich: Es ist nötig, die Energieversorgung der Menschheit umzustellen. Es ist auch möglich, wenn man auf dezentrale Produktionsmodelle setzt. Zum Beweis besucht der Film ein Dutzend Gewährsleute in aller Welt, allen voran Hermann Scheer, den bekannten widerständigen SPD-Abgeordneten und Vorstand des Weltrats für erneuerbare Energien. Dessen Ansprachen dürften vor allem die Bekehrten bekehren. Allzu durchschaubar angelegt ist auch die Rolle von IEA-Chef Fatih Birol als Bösewicht vom Dienst, der sich als negativer Stichwortgeber durch seine Herkunft aus der Erdölbranche und seine billigen Argumente schnell disqualifiziert.

Zwei Milliarden Erdbewohner vor allem in Afrika und Asien haben gar keinen Zugang zu Strom. Die hier angesiedelten Episoden des Films sind spannend, kommen aber insgesamt zu kurz: Mit Solarmodulen sorgt Ibrahim Togola dafür, dass in malinesischen Krankenhäusern abends nicht mehr mit der Taschenlampe unterm Arm behandelt werden muss. In Brasilien belohnt Bianca Jagger Bauern dafür, sich der Brandrodung im Regenwald zu enthalten. In Bangladesch nutzt ein Programm die soziale Intelligenz von Frauen zur Verbreitung solarer technischer Kompetenz. Jedes dieser Projekte wäre ein Film für sich, doch Fechners globaler Rundumschlag will zu viel auf einmal und bleibt dabei im Einzelnen an der Oberfläche. Dazu wird jede neu errichtete Solarzelle von Streichern im Gegenlicht bejubelt. Ob das der ökologischen Wahrheitsfindung wirklich dient?

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