Kritik zu Der Bunker

© Bildstörung

2015
Original-Titel: 
Der Bunker
Filmstart in Deutschland: 
21.01.2016
L: 
85 Min
FSK: 
Ohne Angabe

Bizarres Kammerspiel statt Realismus: Ein Student, der sich in Ruhe seinen mathematischen Forschungen widmen will, mietet sich bei einer Familie ein, die in der Abgeschiedenheit eines Waldes in einem Bunker lebt

Bewertung: 4
Leserbewertung
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2 (Stimmen: 1)

Präsident soll er mal werden, der achtjährige Sohn des Ehepaares, der von sich selber sagt, er sei hochbegabt. Doch der Privatunterricht, für den bisher sein Vater verantwortlich zeichnete, hat wenig gefruchtet, schon bei den Hauptstädten der Welt versagt Klaus. Der Achtjährige, unter anderem mit Latzhose oder Matrosenanzug bekleidet, wird von einem Erwachsenen verkörpert, aber das ist bei weitem nicht das einzige groteske Element in dem ersten abendfüllenden Film von Nikias Chryssos.

Schon wenn der Vater in der ersten Szene am Küchentisch die Qualität des Frühstückeis mit seltsamen Zuschreibungen lobt, vorgetragen in einer salbungsvollen Sprechweise, gewinnt der Zuschauer den Eindruck, es hier nicht mit einer normalen Familie zu tun zu haben. Zudem leben die Drei in einem Bunker im Wald und haben scheinbar keinen Kontakt zur Außenwelt. Scheinbar, denn gleich darauf taucht ein namenlos bleibender Student auf, der hier ein Zimmer gemietet hat, um in der Abgeschiedenheit seine mathematischen Studien zu betreiben. Das ihm zugewiesene Zimmer ist ein niedriger und höchst spärlich möblierter Kellerraum, und, wie das bei Unterkunft mit Familienanschluss nun einmal so ist, der Gast nimmt nicht nur an den Mahlzeiten teil, sondern wird auch integriert, d. h. hier mit Nachdruck aufgefordert, dem Sohn Unterricht zu erteilen. Denn der soll es ja einmal zum Präsidenten bringen . . .

Stückweise zieht der Film die Schraube des Bizarren an, so wenn die Mutter ihrem Sohn die Brust gibt und mit einer unsichtbar bleibenden Person namens Heinrich wiederholt Zwiegespräche führt. Diese Person stellt sie dem Studenten als »Anführer einer fremden Galaxie« vor . . .

Das klaustrophobische Kammerspiel hält dabei von Anfang bis Ende die Distanz zum Zuschauer, der in seinen Erwartungen nach immer neuen Bizarrerien nicht enttäuscht wird. Man muss sich schon auf die seltsame Atmosphäre des Films ebenso wie auf sein verhaltenes Tempo einlassen. Eine Herausforderung an den Zuschauer in einer Zeit, in der im deutschen Kino eher ein Realismusdiktat gilt.

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