Kritik zu Demolition: Lieben und Leben

© 20th Century Fox

Jean-Marc Vallée (»Dallas Buyers Club«) bringt in seinem neuen Film auf ungewöhnlichen Umwegen einen unglücklichen Mann (Jake Gyllenhaal) und eine unkonventionelle Frau (Naomi Watts) zusammen

Bewertung: 2
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5
5 (Stimmen: 1)

Fast jedes Jahr ein neuer Film, das scheint inzwischen der Rhythmus des Kanadiers Jean-Marc Vallée zu sein, dessen Durchbruch mit der Komödie »C.R.A.Z.Y.« auch schon wieder über eine Dekade zurückliegt. Vergleicht man allerdings Demolition mit den Vorgängern »Dallas Buyers Club« und »Der große Trip – Wild«, scheint ihm dieses Arbeitspensum nicht allzu gut zu bekommen. Erneut zieht Vallée ganz neue Saiten auf und verzichtet dieses Mal nicht nur auf eine wahre Geschichte als Vorlage, sondern räumt erstmals wieder dem Humor einen nennenswerten Stellenwert ein.

Dabei klingt die Geschichte eher bitter: Auf den Unfalltod seiner Frau reagiert Wall-Street-Yuppie Davis (Jake Gyllenhaal) zunächst einmal mit irritierender Gefühllosigkeit, die womöglich allerdings auch schon zuvor sein Leben dominierte. Dann begegnet er – einer Reihe Beschwerdebriefen sei Dank – der kaum weniger verkorksten Karen (Naomi Watts), Mutter eines natürlich alles andere als unkomplizierten Sohnes. Und irgendwann beginnt Davis, dessen trauernder Schwiegervater (Chris Cooper) zugleich auch sein Boss ist, erst einmal, jede Menge Elektrogeräte und schließlich sein gesamtes Leben gründlichst auseinanderzunehmen.

Was den Tonfall angeht, setzt sich Vallée mit »Demolition« auf bisweilen irritierende Weise zwischen alle Stühle, von plumpem Kitsch bis verschrobener Komik à la Wes Anderson. Das wäre prinzipiell noch nicht so schlimm, weil der Film sich einiges traut (etwa eine platonische Beziehung zwischen den Protagonisten) und die sehenswerten Darsteller schöne Momente haben, vom tanzenden Gyllenhaal bis zu Watts mit ihren Joints in der Badewanne. Doch darüber, dass sich hier von den Kulissen über die Konflikte bis hin vor allem zu den Figuren alles nach durchsichtig konstruierter Filmkünstlichkeit statt nach echtem Leben anfühlt, kann man einfach nicht hinwegsehen. Dass in diesem Jahr mal kein neuer Film des Kanadiers, sondern bloß seine Miniserie »Big Little Lies« ansteht, ist also vielleicht eine gute Nachricht.

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