Kritik zu Dead Man Down

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In seinem Hollywooddebüt dreht Niels Arden Oplev erneut mit Noomi Rapace, dem Star seines schwedischen Verblendung-Thrillers

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Niels Arden Oplev, der dänische Regisseur der schwedischen Originalversion von Verblendung, wagt sich in seinem US-Debüt an einen Plot, der anfangs noch verzwickter scheint als Stieg Larssons Romanvorlage. Und auf dem Papier des Skripts hat sich die Verschränkung eines Thrillers und einer Romanze, in der überdies beide Partner Rachepläne hegen, wahrscheinlich spannend gelesen. Im Zentrum steht der finstere Victor (Colin Farrell), der zur Entourage des Gangsterbosses Alphonse (Terrence Howard) gehört. Alphonse wird seit drei Monaten von einem Unbekannten attackiert, der Drohbriefe schickt, seine Leute umlegt und den Leichen kryptische Fotoschnipsel in die kalten Finger drückt. Das führt zu einem Überfall auf Alphonses Konkurrenten, den er verdächtigt, hinter der Sache zu stecken.

Nach 20 blutigen Filmminuten erfolgt eine überraschende Wende ins Private. Victor wird von seiner Nachbarin zu einem Date eingeladen. Béatrice (Noomi Rapace) ist durch die Narben eines Unfalls entstellt und wirkt gehemmt. Doch plötzlich enthüllt sie ihm ihr eigentliches Begehr: Sie will, dass er den Unfallverursacher tötet. Als Hebel der Erpressung dient ein heimlich aufgenommenes Smartphone-Video, in dem Victor in seiner Wohnung einen Mann tötet. Denn auch Victor spielt ein doppeltes Spiel und hat eine heimliche Agenda, deren Durchführung seit zwei Jahren sein Leben vollkommen beherrscht.

Auf dem in einem tristen städtischen Umfeld spielenden Krimi steht dick »Film noir mit europäischem Arthouse-Flair« gedruckt. Atmosphärisch wird dieses Versprechen teilweise eingelöst; die Szenen vorsichtiger Annäherung zwischen Victor und Béatrice – Rapace gibt mit brunnentiefen Blicken abwechselnd das arme Hascherl und die Furie – oder die Begegnungen Victors mit Alphonse setzen intensive Duftmarken. Es ist auch nicht die Schuld von Colin Farrell, der zwischen Melancholie und Rambo schwankt, dass einem dieser Film bald auf die Nerven geht.

Es ist vielmehr die ärgerliche Mischung aus einem außergewöhnlich verworrenem Plot und dem spürbaren Anspruch dahinter, der Abgrund zwischen tief empfunden und handwerklich mangelhaft. Oplev kann weder das Verstreichen der Zeit noch die Orte anschaulich machen. Victors Katz- und Mausspiel mit zwei Gangs, die er aufeinanderhetzen will, ist von vornherein von extremer Unlogik. Und eine entscheidende Szene wird mittendrin abgebrochen und wirkt fast so, als ob zwei Filmrollen vertauscht worden wären.

Im ständigen Wechsel der Gangarten, zwischen besinnlichen Momenten und Action, liefert der zweistündige Film auch gekonnt choreographierte »Thrills« in der Art eines Jason-Statham- oder Sylvester-Stallone-Spektakels. Doch der Weg dorthin ist so holprig, dass kaum Spannung aufkommt. Im Gegensatz zu dem zweiten dänischen Newcomer in Hollywood, Nicolas Winding Refn, der mit seinem stylishen Thriller Drive gut angekommen ist, wirkt Oplevs Einstandsfilm wie gewollt und nicht gekonnt.

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