Kritik zu Blanka

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Im preisgekrönten philippinischen Film schlägt sich ein Mädchen in Manila durchs Leben und spart Geld, um sich eine Mutter »zu kaufen«, findet dann aber an anderer Stelle Geborgenheit

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Ist Blanka wirklich schon 15, wie sie behauptet, oder doch erst elf Jahre alt? Sie ist jedem Fall zu jung, um schon allein zurechtzukommen, aber sie trägt wie viele andere Kinder auf den Philippinen das Schicksal eines Straßenkindes. Den Vater hat sie nie kennengelernt, die Mutter ist irgendwann einfach gegangen. Blanka hat sich eingerichtet in einem Kartonhäuschen und schlägt sich mit Diebstählen und Tricksereien durchs Leben, auch indem sie ihre Kumpels nach erfolgreichem Diebstahl übers Ohr haut. Denn sie spart darauf, sich eine Mutter kaufen zu können. Erwachsene können sich einfach Kinder beschaffen, wie man im Fernsehen an der schönen Schauspielerin und ihren vier ­Adoptivkindern sieht, also kann sie sich auch eine Mutter besorgen.

Auf ihrer Suche nach Glück und Geborgenheit folgt sie den Gitarrenklängen des blinden Musikers Peter, dem sie sich anschließt. Da sie fantastisch singen kann, treten sie gemeinsam in einer Bar gegen Kost und Logis auf, aber dieses Glück währt nur kurz, denn Blanka wird zu Unrecht des Diebstahls bezichtigt. Welche ­Optionen bleiben einem Mädchen in ­Manila? Aus dem Striplokal, in das sie gelockt wird, kann sie eben noch entwischen, und das Waisenhaus bietet ihr keine Geborgenheit. Mit ihren Augen streunen wir durch die Straßen der Großstadt, diese wechselt je nach Tageszeit und je nach Straßenzug ihr Gesicht. Peters Platz, auf dem er mit seiner Musik um Geld bittet, sieht gepflegt und heimelig aus, der Straßenstrich der Transvestiten wirkt schon unheimlicher. In der Nacht erstrahlt das Gassengewirr in bunten Lichtern, und tagsüber sind die Wege so überfüllt, dass es leicht ist, ein Portemonnaie zu stibitzen.

Der japanische Regisseur Kohki Hasei hat einen authentischen Film über die Not der Kinder in der Welt gedreht, am Beispiel eines Mädchens, das sich weiß durchzuschlagen. Peter und all die anderen Schauspieler sind Laiendarsteller, die vor Ort gecastet wurden, nur Blanka kommt von einer anderen Insel und hatte schon mit zehn Jahren Erfolg als YouTube-Sängerin Cydel Gabutero. Ihre Beziehung zum blinden Peter macht den Film so berührend und trotz aller Tristesse doch hoffnungsvoll. Die schönste Szene zeigt die beiden auf dem Rummelplatz mit leuchtenden Herzhaarreifen auf den Köpfen. Die beiden haben sich gefunden, und irgendwann wirft Blanka die Zettel mit der Such­annonce nach einer Mutter weg, denn Peters Gitarrenspiel weist ihr immer den Weg nach Hause. Das Glück liegt darin, zueinander zu gehören, das hat Blanka nach ­ihrer Odyssee durch die Hauptstadt erkannt. Wenn sie zurückkehrt, muss sie gar nichts sagen, Peter spürt ihre Anwesenheit.

Mit vielen Preisen auf Kinderfilmfestivals geehrt, erzählt uns dieser Film eine hoffnungsvolle Geschichte von einem Mädchen, das schon früh erwachsen werden muss, die sich aber ihren kindlichen Zauber trotzdem noch erhalten hat.

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