Kritik zu Bad Moms

© Tobis Film

Die »Hangover«-Autoren Jon Lucas und Scott Moore lassen diesmal konkurrierende Mütter gegen die hohen Ansprüche der Gesellschaft antreten

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Unerreichbar hoch liegt die Messlatte für Mütter am Anfang des 21. Jahrhunderts: Als perfekt geölte Supermaschine sollten sie die Kinder morgens pünktlich mit vollwertigen Pausenbroten ausgerüstet in der Schule abliefern, sie nachmittags zu Musikunterricht, Theater AG und Fußballtraining chauffieren, dazwischen einen Ganztagsjob in Halbtagszeit erledigen und danach organische gluten-, zucker- und fettfreie und trotzdem leckere Muffins für den Bakesale zaubern, anspruchsvolle Projektarbeiten der Kinder fertigen und beim Elternabend neue Aktionen planen. Und natürlich auch noch gut gelaunt und wunderschön die erotischen Bedürfnisse ihrer Männer erfüllen. So sehr sich Amy (Mila Kunis) auch bemüht, all diesen Ansprüchen gerecht zu werden, sie hechelt immer hinterher und erntet dann auch noch abschätzige Blicke der Alphamütterriege, wenn sie mal eine Minute zu spät ist oder mit gekauftem Kuchen in der Aula auftaucht.

Doch ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich’s ganz ungeniert: Amy steigt aus und verbündet sich mit zwei anderen ganz normal überforderten Müttern, mit dem leisen Hausfrauchen Kiki (»Veronica-Mars«-Darstellerin Kristen Bell) und der derben, alleinerziehenden Carla (Kathryn Hahn). Gemeinsam erweitern sie das Feld der »Bad«-Helden, die jeglicher political correctness den Kampf ansagen, so wie zuvor »Bad Santa«, »Bad Teacher« und »Bad Grandpa«. Zugleich übernehmen sie den Staffelstab von Melissa McCarthy, die in Filmen wie »Brautalarm« lustvoll schlechtes Benehmen auch für Frauen hollywoodfähig gemacht hat.

Nachdem Jon Lucas and Scott Moore als Autoren des »Hangover«-Franchises vier Männer auf eine Junggesellensause nach Las Vegas geschickt haben, hetzen sie jetzt unter Eigenregie zwei Mütterteams gegeneinander, hier die überspannte Tigermutterfraktion der Rundumperfektionisten um Christina Applegate, Jada Pinkett Smith und Annie Mumolo, dort die politisch völlig unkorrekte Spaßtruppe bekennender Bad Moms um Mila Kunis, Kristen Bell und Kathryn Hahn. Vor allem aber eröffnen sie auch den Frauen die Möglichkeit, mal ordentlich die Sau rauszulassen, wobei es ziemlich cool ist, dass sie nicht einfach das tun müssen, was sonst nur Männer dürfen, sondern sich ihr eigenes Terrain erobern, beim Herumwirbeln im Supermarkt, in der Kino-Matinée, im Café oder in der Bar. Auch wenn das Timing nicht immer astrein ist und die Geschmacksgrenzen nicht immer ganz sicher gezogen sind, ist es doch vergnüglich, den Schauspielerinnen dabei zuzuschauen: vor allem Mila Kunis mit der ihr eigenen Mischung aus beherzter Natürlichkeit und handfestem Spaß, aber auch Kathryn Hahn, die so rückhaltlos frontal agiert, dass man ihre derben Zoten einfach mögen muss. Schlechte Mütter sind sie natürlich allesamt nicht, sie zetteln einfach nur eine lang überfällige Revolution gegen absurde Ansprüche an. Vor allem aber lernen sie, das Leben wieder in vollen Zügen zu genießen.

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