Kritik zu 500 Days of Summer

englisch © Fox Searchlight

Ein Büroangestellter verliebt sich in die Assistentin seines Chefs. Aus dieser Vorgabe kann man eigentlich so gut wie alles machen. Der Spielfilmdebütant Marc Webb hat sich für eine romantische Komödie mit kalkuliertem Hip-Faktor entschieden

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Es mag ein romantisierendes Klischee sein, aber beim Erstlingswerk eines jungen Independent-Regisseurs erwartet man für gewöhnlich, dass er eine persönliche Geschichte aus einem individuellen Blickwinkel erzählt. Was man von einem talentierten Nachwuchsregisseur eigentlich nicht sehen will, ist ein Film, der nichts weiter zu sein scheint als eine herkömmliche Hollywood-Romantic-Comedy, nur eben mit kleinerem Budget und unbekannteren Darstellern. Leider tut Marc Webb, der nach einer erfolgreichen Karriere als Videoclip- Regisseur (unter anderem für die Back Street Boys und Nelly) nun sein Spielfilmdebüt vorlegt, genau das: »500 Days of Summer«, angekündigt als »originelle Indie-Komödie«, wirkt wie ein Bewerbungsfilm für die nächste Big-Budget-Romanze.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht der Büroangestellte Tom (Joseph Gordon-Levitt), der sich in Summer (Zoey Deschanel), die neue Assistentin seines Chefs, verliebt. In nicht ganz chronologischer Reihenfolge schildert der Film das Auf und Ab in der 500 Tage währenden Beziehung der beiden. Man spürt in jedem Moment, wie originell und zeitgemäß der Film sein will, von den Zeitsprüngen der Erzählung bis zu den Situationen und Konflikten, in die die beiden urbanen Twentysomethings geraten. Nur macht diese Erzählweise dramaturgisch keinen Sinn und die Situationen und Gags sind von einer entlarvenden Spießbürgerlichkeit. Was verrät es beispielsweise über den künstlerischen Geist eines jungen Filmemachers, wenn er seine Charaktere sich auf peinliche Weise über »unverständliches Kunstkino« und »unverständliche moderne Kunst« lustig machen lässt, die im wahrsten Wortsinn mit einem Haufen Scheiße gleichgesetzt wird? »So bin ich nicht!«, scheint Webb in diesen unsäglichen Szenen zu sagen, als wolle er bei den Talentscouts der Studios bloß keinen falschen Eindruck aufkommen lassen.

Wenn es etwas gibt, das »500 Days of Summer« über die Laufzeit von 90 Minuten rettet, sind es die Darsteller. Joseph Gordon-Levitt, der bislang vor allem in der Serie »3rd Rock from the Sun« und dem unterschätzten Irak-Drama »Stop Loss« (bei uns nur auf DVD erschienen!) positiv aufgefallen ist, gibt seinen Tom mit einer durchaus anrührenden Unbeholfenheit. Der echte Star des Film aber ist Zoey Deschanel. Seit ihren wunderbaren Leistungen in David Gordon Greens Love-Story »All the Real Girls« (2003) und in Jon Favreaus Komödie »Buddy – Der Weihnachtself« (2003) wartet man auf den großen Durchbruch dieser Schauspielerin. Mit einem kleinen Lächeln oder einer hochgezogenen Augenbraue sagt Deschanel, die stets ein wenig über den Dingen zu stehen scheint, mehr über Summers Charakter als die vermeintlich pfiffigen Dialoge der Drehbuchautoren Scott Neustadter und Michael H. Weber (»Pink Panther 2«). Marc Webb scheint das ähnlich zu sehen: Man hat das Gefühl, dass er Summer/Deschanel, ähnlich wie Tom, gar nicht mehr aus dem Blick lassen möchte. Diese versteckte Schwärmerei ist bezeichnenderweise das Natürlichste an seinem Film – und macht ihn fast schon wieder sympathisch.

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