Kritik zu 22 Bullets

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Jean Reno als Mafioso im Ruhestand, der ins Killergeschäft wieder einsteigen muss, um sich an denen zu rächen, die es auf ihn abgesehen haben. Von Schauspielidol Richard Berry als Reminiszenz an den französischen »Polar« inszeniert

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Vater und Sohn im Auto auf einer Landstraße auf dem Weg nach Marseille, eine ganz vertraute Szene, die natürliche und auch unnatürliche Gefahren birgt. Von Anfang an lastet eine diffuse Bedrohung auf den Bildern, die Frage ist nur, wann und in welcher Form sie hereinbrechen wird: Kommt es zum Unfall, weil das Kind seinen Vater ablenkt? Wird der Junge im Getümmel auf dem Marktplatz von Marseille verschwinden, während der Vater einen Parkplatz sucht? Oder lauert das Schicksal unten in der Tiefgarage? Plötzlich springen dort schwarz vermummte Gestalten hinter einem Auto hervor und schießen wild drauflos. Von 22 Kugeln durchsiebt, bricht der ehemalige Mafiakiller Charly Matteï zusammen. Als er wider Erwarten knapp mit dem Leben davonkommt, hat er keine Wahl, er muss seine Widersacher ausfindig machen und ausschalten. 22 wirre Kugeln, wo eine gut platzierte reichen könnte – damit ist die Machart des Films schon recht gut erfasst.

»22 Bullets«, der im Original »L'immortel« heißt, ist ein Rachethriller, inspiriert von dem realen Mafiapaten Jacky Le Mat, der Marseille in den 70er Jahren unsicher machte, und von dem Roman, den Franz-Olivier Giesbert über ihn verfasste. Jean Reno spielt diesen Mann, der sich vor drei Jahren aus dem schmutzigen Geschäft zurückgezogen hat, um ein friedliches Leben mit der Familie zu führen, und jetzt von seiner Vergangenheit eingeholt wird. Harte Gangster mit einem weichen Herzen und wortkarger Lakonie hat er seit »Léon – Der Profi« so oft gespielt, dass man nie ganz sicher sein kann, wie ernst er es wirklich meint, und diese sanfte Brechung tut dem Film, der sich ansonsten mit der für Luc-Besson-Produktionen typischen Brachialgewalt und Actionhektik durch einen eher wirren Plot pflügt, ausgesprochen gut. Sein wortkarges Auftreten und seine reduzierte Mimik lassen eine Charaktertiefe ahnen, an der offensichtlich weder der Regisseur Richard Berry noch Produzent Besson sonderlich interessiert ist.

Als guter Gangster, für den Moral und Gewissen, Freundschaft und Loyalität noch etwas zählen, ist Charly Matteï in den modernen Zeiten zum Anachronismus geworden, seine Nachfolger wollen sich das Geld aus schmutzigen Drogengeschäften nicht mehr entgehen lassen, weshalb sein Rachefeldzug in einen Krieg zwischen konkurrierenden Lagern der Mafia mündet und die Polizei sich im Grunde zurücklehnen und zuschauen könnte, wie sich die Gangster gegenseitig ausschalten.

Wenn man sich von der holprigen Rastlosigkeit des Films nicht allzu sehr ablenken lässt, dann gibt es durchaus ein paar Entdeckungen zu machen, zum Beispiel den Komiker Kad Merad in einer ungewohnt harten Rolle als intriganter Mafioso oder Jean-Pierre Darroussin als besten, aber nicht ganz ehrlichen Freund. Und die zugleich zarte und zähe Marina Foïs variiert das Personal der französischen films policiers als ermittelnde Kommissarin, ein herbes tough girl, das sich nicht nur gegenüber den Verbrechern, sondern auch vor den Kollegen behaupten muss und im Kampf gegen die Mafia auch ganz persönlich auf Rache sinnt, für den Mord an ihrem Ehemann.

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