Aktuelles
11.05.2026
Die 79. Filmfestspiele in Cannes eröffnen mit »The Electric Kiss«. Im Wettbewerb um die Goldene Palme kämpft auch Valeska Grisebach – und Paweł Pawlikowski erzählt eine deutsche Geschichte.
10.05.2026
Julia Windischbauer, 29, Schauspielerin aus Österreich, arbeitet am Theater (u. a. Burgtheater Wien) und stand bereits während des Studiums vor der Kamera. Zu ihren Filmcredits zählen Anna Rollers Kurzfilm »Gör«, Elena Wolffs »Para: Dies« und »Sonnenplätze« von Aaron Arens. 2025 kam ihr Regiedebüt »Callas, Darling« heraus. In der Arte-Miniserie »Etty« spielt sie die Hauptrolle.
27.04.2026
Das Berliner Kino Arsenal eröffnet am 3. Mai im Kulturquartier »silent green« neu – mit einzigartigem Kinoraum unter hoher Kuppel, voller Analog- und Digitaltechnik und einem wie immer mutig kuratierten Programm.
21.04.2026
Vom NS-Killer Bruno bis zum rücksichtslosen Fabrikanten in »Kir Royal«: Mario Adorf prägte das deutsche Kino wie kaum ein anderer – mit 221 Rollen, großer Präsenz und unwiderstehlichen Bösewichten.




Habermann - Jedermann!
Wenn man 1938 im Sudetenland gelebt hat, das die Alliierten Hitler im Rahmen ihrer Appeasement Politik kampflos überlassen haben und als gut bürgerlicher Deutscher eine tschechische Jüdin heiratete, geriet man gleich mehrfach unter Druck.
Das thematisiert Juraj Herz († 2018) in seinem Film. Und genau das tut August Habermann (Mark Waschke) mit Jana (Hannah Herzsprung). In diese Familienidylle marschieren die Nazis ein. Hier stellvertretend – aber hervorragend besetzt – mit Sturmbandführer Koslowski (Ben Becker). Sehr realistisch und weit weg vom Hollywood Klischee wird hier die Machtübernahme am ‘Kleinen Mann‘ sowie am reichen Sägewerkbesitzer demonstriert.
Von ersten Schikanen bis zu Massenerschießungen leiden die Einheimischen unter den Besatzern.
Regisseur Juraj Herz hat sich für die Ringform entschieden: d.h. der Anfang und das Ende zeigen ähnliche bis gleiche Aufnahmen von Drangsalierungen durch die Wehrmacht.
Die Wiederholung am Schluss geht noch tiefer unter die Haut, weil man jetzt Zusammenhänge erkennt. Auch Habermanns Entwicklung von ahnungslosen Optimisten zum realistischen Oppositionellen wird eindrucksvoll geschildert. Dabei hat er nur seinen Betrieb und seine Arbeiter im Sinn – egal ob Deutsche oder Tschechen, Juden oder Christen. Die Zivilcourage seiner Frau Jana verfängt beim Sturmbandführer nur vorübergehend, solange dieser sich Chancen bei der jungen Frau Habermann ausrechnet.
Nach der militärischen Niederlage 1945 geraten alle Deutschen unter Generalverdacht und bekommen Rache und Vergeltung zu spüren. Unter den Nazis galt Habermann als Judenfreund, unter den Tschechen als Naziabkömmling.
Die nichtexistierende Staatsmacht erlaubt Plünderungen und Vandalismus. Der Mob regiert auf der Straße. Alle werden über einen Kamm geschoren. Habermann sowie Jana werden prominente Opfer. Aber auch der Widerstand regt sich: Koslowski fährt bei seiner überstürzten Abreise in einem Feuerball zur Hölle. Zuvor hat er noch Habermanns Familienschmuck mitgehen lassen. Niedere Instinkte wie Raub und Mordlust bedienen die Ideologische Verbohrtheit. Spannend und ergreifend gemacht, wird der Faschismus wieder einmal entlarvt. Zu Recht preisgekrönt. Es wird ungeschönt Kante gezeigt.