Glorious Technicolor: She Wore a Yellow Ribbon

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"Der beste Western, der je gedreht wurde!" epd Film-Chef Rudolf Worschech ist überzeugt davon: "She Wore a Yellow Ribbon hat alles, was ein Western braucht." Und er zählt auf: Indianer, ganz wichtig. Die besten Oneliner, die das Genre je hervorgebracht hat. Eine sagenhafte Landschaft. Tolle Kameraarbeit. Es ließe sich, meint der Verfasser dieser Zeilen, eine grandiose Darstellung John Waynes hinzufügen. Und man könnte anmerken: Es fehlt der Shootout. Und eine individualisierte Schurkenfigur. (Was freilich weitere Qualitäten sind, die für den Film sprechen.)

Und: Der Film hat die Kavallerie. Schöne, blaue Uniformen und gelbe Capes, die Kameramann Winton Hoch in kräftigen Farben zeigt – und die er vor den Hintergrund des Monument Valley stellt, dessen rotbraune Felsen einen reizvollen Kontrast bieten. Tatsächlich wurde der Film on location gedreht, das sei Ford sehr gelegen gekommen, so Worschech, dass das Set zwei Tage Autofahrt von Hollywood entfernt gelegen war. Und so habe sich auch ergeben, dass sich ein Gewitter zusammenbraut während des Ritts, den John Wayne als Captain Brittles mit seiner Eskorte durchführt, um zwei Frauen zur nächsten Postkutschenstation zu bringen (und, so Worschech mit schmunzelndem Augenzwinkern: Das sei eigentlich immer derselbe Felsen, um den sie herumreiten…) . Ein Gewitter, das tatsächlich auf Film gebannt wurde, ein gewaltiges Schauspiel. Und mit ein Grund, dass die Kameraarbeit einen Oscar bekam.

Der Film hat die Kavallerie. Und er verteufelt tüchtig die Indianer, die sich zusammenrotten zu einem großen Aufstand, kurz nach dem Sieg am Little Big Horn. Deren Masse ist der stets bedrohliche Feind – dass auch noch irgendwann ein Waffenhändler auftaucht, der seine Gewehre den Indianern feil bietet, zeugt nur noch mehr von deren Miesheit. Weil sie noch hinterhältiger sind als der Waffenfritze, erschießen sie ihn und zerren seine Mannen bei lebendigem Leib durchs Feuer.

Andererseits haben wir Captain Brittles, den Wayne wirklich sehr fein, sehr subtil darstellt, mit ständiger Ironie, weil er als abgeklärter Offizier schon alles gesehen hat. Und hier kommt die wahre Qualität des Films zutage: Der im Gewand eines Western daherkommt, aber eigentlich filmgewordene Beziehungsberatung ist. Weil das junge Fräulein, dem die Eskorte gilt, gleich zwei Verehrer unter den Herren Offizieren hat. Und Brittles dieses Beziehungschaos mit feinen Impulsen zu lösen hilft, mal ein Befehl hier, mal ein väterliches Wort da. Das gelbe Band im Haar des Fräuleins ist im Konkreten titelgebend – und doch es ist im weiteren Sinn Symbol für den gloriosen Ruhm der US-Kavallerie, der Titelsong weiß es: "She wears it for her lover who’s in the cavallery." Durchhalten an der Heimatfront, etc. pp.

Gegen diese Mythisierung setzt Ford aber immer wieder Gags, die fast schon anarchisch sind - wie Brittles, am Tag, an dem er in den Ruhestand tritt, seinem treuen Adjutanten, einem Iren, zum Abschied eine ganz eigene, feine Kneipenschlägerei schenkt - vielleicht die beste der Filmgeschichte...

Rudolf Worschech war schon mal dort 1992, sein großes Ziel als Cineast: Die Hütte, in der John Wayne im Film lebt. Sie ist als Kulisse übriggeblieben, ein Museum ist dort eingerichtet; und Worschech hat von dieser heiligen Stätte eine Schippe Sand mit nach Hause genommen, woraufhin seine damalige Freundin - - - aber lassen wir das. Privatangelegenheiten sollen privat bleiben, können beim Chef aber jederzeit privat erfragt werden.

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