Apple TV+: »Platonic«

»Platonic« (Serie, 2023). © Apple TV+

»Platonic« (Serie, 2023). © Apple TV+

Freundschaft ohne Romance

Ob platonische Freundschaften zwischen erwachsenen heterosexuellen Frauen und Männern tatsächlich ein Ausnahmephänomen sind, sei mal dahingestellt. Tatsache ist: Im Kino kommen sie eher selten vor, und auch am Ende von »Harry und Sally« ging es letztlich doch um die Liebe. Darum weiß nun natürlich auch die neue Comedyserie »Platonic« mit ihren Protagonist*innen, weswegen Rob Reiners legendäre RomCom gleich zu Beginn als Referenz angeführt und dann auch wieder aus dem Weg geräumt wird. Die Freundschaft zwischen Sylvia (Rose Byrne) und Will (Seth Rogen), zu Collegezeiten noch unzertrennlich, ohne dass es sexuell je geknistert hätte, ist anfänglich praktisch nicht mehr existent. Erst als sie – glücklich verheiratet mit Charlie (Luke Macfarlane), Mutter dreier Kinder und seit Jahren nicht mehr als Anwältin arbeitend – mitbekommt, dass bei Will eine Scheidung ansteht, nimmt sie wieder Kontakt zu ihm auf.

Was als Höflichkeitsgeste mit einem eher krampfigen Wiedersehen beginnt, führt kurz darauf an einem langen Abend, der in Wills Craft-Beer-Bar beginnt und viele Drinks später in einer billigen Dinerkette endet, dann doch dazu, dass sich plötzlich wieder fast alles anfühlt wie früher. Bald sind die beiden einmal mehr so gut wie unzertrennlich und haben Spaß wie seit Jahren nicht mehr. Was in ihrem Umfeld für Irritationen sorgt, die längst nicht nur mit Eifersucht zu tun haben.

Die Gelegenheiten, bei denen »Platonic« ins Banale, Erwartbare oder Plumpe abdriften könnte, sind zahlreich. Doch das Showrunner-Ehepaar Francesca Delbanco und Nicholas Stoller, dessen letzte Serie »Friends From College« noch ein wenig unausgegoren wirkte, hat seinen Stoff bemerkenswert gut im Griff. Weder ist Charlie als nerviger Ätzgatte gezeichnet, der der freundschaftlichen Zweisamkeit im Weg steht, noch endet letztere irgendwann im Bett (oder in sonstigen amourösen Verstrickungen).

Wie glaubhaft in den zehn halbstündigen Episoden diese irgendwo jung gebliebene, aber eben doch sehr erwachsene Freundschaft erzählt wird, ist ziemlich sehenswert, zumal »Platonic« in diesem Kontext fast genauso smart die Unterschiedlichkeit weiblicher und männlicher Midlife-Krisen protokolliert wie jüngst »Fleishman Is in Trouble«. Nur dass hier der Humor großgeschrieben wird, mal albern, mal beiläufig, aber selten so deftig wie aus früheren Stoller-Komödien à la »Männertrip« oder »Nie wieder Sex mit der Ex« in Erinnerung.

Mehr noch als Drehbuch und Regie verdankt die Serie ihr Gelingen allerdings dem eingespielten Duo in den Hauptrollen. Byrne und Rogen, die in den »Bad Neighbors«-Filmen ein Ehepaar verkörperten, sind noch besser als sonst darin, sowohl bei den Gags als auch emotional die größtmögliche Bandbreite abzudecken, zwischen dezenten Blicken und »physical comedy«, Saufexzessen und E-Roller-Treten, Wehmut nach einst und Angst vor der Zukunft. Und das, ohne »Platonic« die Leichtfüßigkeit zu rauben.

OV-Trailer

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