Kritik zu Fast verheiratet

© Universal Pictures

Eine Liebeskomödie auf dem Stand der Zeit: Was wird aus den Eheversprechen, wenn nun die Männer ihr Leben nach den Karrieren der Frauen ausrichten müssen?

Bewertung: 3
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3 (Stimmen: 1)

Am Anfang scheint das Happy End keine fünf Minuten entfernt: Auf den romantischen Heiratsantrag folgt das euphorische Verlobungsfest, das als Generalprobe zu verstehen ist für eine noch strahlendere Traumhochzeit – doch halt! Wir befinden uns nicht in der Hollywoodmärchenwelt, sondern in einer Judd-Apatow-Produktion. So bekommt Violet (Emily Blunt) kurz nach der Verlobung die Zusage einer Universität im unwirtlichen Michigan, und Gourmetkoch Tom (Jason Segel) ist einer jener modernen Männer, für die es selbstverständlich ist, dass sie Karriere und Lebenspläne für die Frau zurückstellen: »Dann heiraten wir eben zwei Jahre später, kein Problem, und kochen kann ich überall!« Statt den direkten Weg zum Altar einzuschlagen, folgt der Film nun dem holprigen, fünf Jahre währenden Pfad der Umwege. Eine Weile lang scheint es sogar höchst ungewiss, ob es am Ende überhaupt noch zur Hochzeit kommt, aber so weit sind wir dann doch nicht von Hollywood entfernt . . .

Während Nicholas Stoller als Autor und Regisseur und Jason Segel als sein Star und Koautor auf bewährt charmante Weise zotigen Humor zelebrieren, untersuchen sie zugleich auf durchaus seriöse Weise die Fallstricke moderner Beziehungen: Was wird eigentlich aus den Männern, wenn sich die Frauen selbst verwirklichen? Wie entwickeln sich die Eheaussichten, wenn die traditionellen Konstellationennicht mehr greifen? Von jeher hat das Apatow-Lager den romantischen Komödien einen neuen, bösartig realistischen Twist gegeben – um nach allerlei Experimenten dann doch in traditionelle Pfade einzulenken. Wenn auch aus einer anderen Geisteshaltung und mit erheblich mehr Spaß, so wird am Ende immer noch geheiratet.

Dass der Film den Zieleinlauf in eher holprigem Schlingerkurs erreicht, macht er mit sicherem Gespür für die Schauplätze und der Chemie unter den Schauspielern wett, die allesamt eine gute Portion komischer Improvisationsgabe mitbringen. Die Britin Emily Blunt hat schon jede Menge subversives Lebenselixier in amerikanische Komödien injiziert, hat etwa die Modeszene von Der Teufel trägt Prada mit schnippischer Schnauze unterwandert und in Sunshine Cleaning beherzt die Verfallsprozesse der menschlichen Existenz beseitigt. Mit ihrer Mischung aus eloquentem Wortwitz und uneitel exaltiertem Mienenspiel bildet sie ein schönes Gegengewicht zu Jason Segels eher träger Körpersprache. Mit ganz unheldenhaftem Gebaren hat Segel sich über die Jahre stetig von den Rändern des Filmuniversums ins romantische Zentrum geschoben, ein Bär von einem Jungen, der alle nur erdenklichen Demütigungen und Peinlichkeiten verkörpert, die ein Mann im Angesicht einer Frau erleben kann, ohne darüber seine Würde völlig zu verlieren. Dem sonst eher unattraktiven Softiedasein hat er dabei mit liebenswertem Charme und wunderbarem Humor Kinoglamour verliehen. Keiner kann besser darstellen, wie schwer es ist, im eigenen Leben und der eigenen Beziehung zu Hause zu sein. Dass die Filme dabei oft ein bisschen holprig sind, ist nur konsequent, denn sie folgen dem unwägbaren Rhythmus des echten Lebens.

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