Starz: »Love Life«

»Love Life« (Miniserie, 2020). © Jojo Whilden

»Love Life« (Miniserie, 2020). © Jojo Whilden

Romcom in Serie

Das Projekt klingt so unprätentiös, dass man es fast altbacken nennen könnte: Die Serie »Love Life« begleitet Heldin Darby (Anna Kendrick) durch ihre Zwanziger hindurch auf ihrer Suche nach dem Richtigen. Dass sie ihn findet, erscheint von Anfang an klar – man sieht sie schwanger –, der Weg dahin ist, wie eh und je, gepflastert von den falschen Kandidaten. Und wie um ja nur nichts Neues zu erfinden, spielt das Ganze in New York.

Emmy-Nominierungen konnte die als Anthologie-Serie geplante Mini-Serie keine erobern, die Kritiken in den USA waren gemixt. Was ungerecht scheint, denn unter der »Alles schon mal da gewesen«-Oberfläche lässt sich in »Love Life« eine Erzählung entdecken, wie man sie selten mit derart sorgfältig entwickelter psychologischer Dynamik aufgefächert bekommt. Und dazu noch kann Anna Kendrick in der Hauptrolle endlich zeigen, zu was sie fähig ist.

Kendrick spielt Darby Carter, die am Anfang zwar in New York, aber weder in der Liebe noch bei der Arbeit so richtig angekommen scheint. Sie teilt mit zwei Freundinnen die Wohnung und hat Ambitionen, es im Galeriebetrieb zu was zu bringen. Die einzelnen Episoden suggerieren, als gehe es, ganz ähnlich wie beim unweigerlich anklingenden Vorbild »Sex and the City«, um einen Katalog von »Typen«, den die Heldin durchblättern müsste, bevor sie zu Mr. Right gelangt. Doch eine gewisse Reibung zwischen Format und Inhalt weist darüber hinaus. Leslie Manville als Erzählstimme aus dem Off tut das Ihrige hinzu: Der Blick auf Darby ist ein leicht distanzierter, ironischer, der zugleich das Bewusstsein dafür wachhält, dass Erlebtes und Erzähltes sich nicht immer deckungsgleich verhalten. Was sich hinterher als wertvolle Lernerfahrung herausstellt – die Beziehung etwa, die Darby mit ihrem um einige Jahre älteren Boss Bradley (Scoot McNairy) eingeht –, erscheint im Prozess schwierig und schmerzhaft. Als sich Darby bei einer Gelegenheit blamiert, fühlt man als Zuschauer die Scham, während die Heldin selbst sich noch an der eigenen Frechheit erfreut.

Das unterscheidet »Love Life« von »Sex and the City« oder auch von »Girls«: Es ist viel weniger auf eine »Punchline«, eine scharfzüngige Bemerkung hin geschrieben. Man lacht eher mit als über die Figuren. Darby selbst besitzt einen exzellenten Sinn für Humor, ihre Umgebung weiß das nicht immer zu schätzen. Das Interessante ist, dass man sieht, wie Darby sich über die Dauer der Serie vor allem selbst besser kennenlernt. Wunderbar beiläufig wird gleichzeitig davon erzählt, über welche Umwege sie schließlich zu einer Karriere findet, die sie ausfüllt.

Der Vorteil der Romcom im Serienformat gegenüber dem im Aussterben begriffenen Spielfilm-Genre liegt sowieso auf der Hand: Selbst für die Side-Kicks bleibt genug Zeit, sie zu dreidimensionalen Figuren werden zu lassen; Darbys beste Freundin Sara (Zoë Chao) etwa erscheint so interessant, dass man sich eine Serie mit ihr im Fokus wünscht.

OV-Trailer

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