Netflix: »Don't Look Up«

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Es nimmt kein gutes Ende

Basierend auf wahren Ereignissen – die nur noch nicht stattgefunden haben. Diese Worte setzt Adam McKay seinem neuen Film »Don't Look Up« voran, so dass man wirklich gleich im Bilde ist. Hier hat jemand wenn schon nicht prophetische Absichten, dann doch zumindest den Finger ganz nah dran am Puls der Zeit. Und obendrein die Wahrheit für sich gepachtet.

Die Ereignisse, um die es dabei geht, sind zunächst einmal nicht allzu weit hergeholt. Die Astronomie-Doktorandin Kate Dibiasky (Jennifer Lawrence) und ihr Professor Dr. Randall Mindy (Leonardo DiCaprio) entdecken eher zufällig, dass ein riesiger Asteroid auf die Erde zusteuert. Riesig ist in diesem Fall nicht übertrieben: ein Aufprall auf der Erde, da sind sich die Wissenschaftler*innen sicher, würde den Planeten zerstören. So wirklich hören möchte diese Hiobsbotschaft allerdings kaum jemand. Bei Präsidentin Orlean (Meryl Streep) und deren Sohn und Chief of Staff (Jonah Hill) stoßen Kate und Randall erst einmal auf taube Ohren, und bei einem Talkshow-Auftritt nimmt das auf Heiterkeit getrimmte Moderatoren-Duo (Cate Blanchett & Tyler Perry) die Sache nicht sonderlich ernst. Ein erster Rettungsversuch durch einen brachial-patriotischen Colonel (Ron Perlman) ist kaum mehr als Wahlkampf-PR und scheitert grandios, und als auch der einflussreiche Tech-Mogul Isherwell (Mark Rylance) glaubt, den Himmelskörper zur Rohstoffgewinnung ausschlachten zu können, geht bald jede Hoffnung auf ein gutes Ende für die Menschheit flöten.

Subtil geht anders, das war schon bei McKays vorangegangen Filmen »The Big Short« und »Vice« so. Auch in »Don't Look Up« ist nun von Anfang an klar: dieser Regisseur, der natürlich auch das Drehbuch geschrieben, hat ein gesellschaftspolitisches Anliegen – und scheut auch nicht vor dem Holzhammer zurück, um es zu vermitteln. Überdeutlich zeigt er in seiner satirischen Parabel auf die Klimakatastrophe, wie wir, abgelenkt von Social Media-Unfug oder Verschwörungstheorien und befeuert von populistischer Politik und der Gier der Megakonzerne, zielstrebig dem Untergang entgegensteuern. Falsch ist das natürlich nicht, aber mitunter so plump, dass man sich als Zuschauer*in doch sehr bevormundet fühlt.

Noch bedauerlicher ist allerdings, dass von McKays einstiger komödiantischer Brillanz (siehe: »Stiefbrüder«) nur noch bedingt etwas übrig ist. Denn auch in Sachen Humor steuert er in »Don't Look Up« allzu oft das Naheliegendste an. Die Ausnahmen – etwa ein herrlicher Running Gag über Snacks im Weißen Haus oder auch Ariana Grandes Auftritt als Popstar mit Weltuntergangs-Song – gehören zu den Höhepunkten des Films, während aus dem prominent besetzten Ensemble DiCaprio, Streep, Blanchett und Melanie Lynskey herausstechen. Insgesamt aber kommt die bittere und immerhin konsequent endende Komödie mit zu vielen nicht zündenden Gags und überflüssigen Figuren (darunter Timothée Chalamet als kiffender Skater), aber zu wenig Hintersinn oder Absurdität daher, um auf Gesamtlänge wirklich zu überzeugen.

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