Disney+: »Rebel«

»Rebel« (Serie, 2021). © ABC Studios

© ABC Studios

Rechtsweg mit Stöckelschuh

Die Serie setzt mit einem echten Starauftritt ein. Im engen, eleganten Kleid und mit Sonnenbrille betritt die Protagonistin, gespielt von Katey Sagal, mit zielstrebigen Schritten zu knalligen Popsounds eine Open-Air-Party. Zwischen all den Reichen und Schönen dort scheint sie voll in ihrem Element zu sein. Doch der Eindruck trügt, wie sich herausstellt, zumindest ein bisschen: denn Annie Bello, genannt Rebel, ist hier nicht unter ihresgleichen, sondern will auf den Putz hauen – und sich als Aktivistin mit einem großen Medizinunternehmer anlegen, dessen künstliche Herzklappen zahlreichen Patient:innen schlimmste Beschwerden bescheren.

Es dauert nicht lange, bis Rebel im Gefängnis landet. Doch das war von vornherein einkalkuliert: Zum einen ist genug Geld für die Kaution da, zum anderen war der Polizist, der Rebel nach ein paar Stunden aus der Zelle holt, früher mal ihr Ehemann. Wenn Rebel irgendwo Ungerechtigkeit wittert und für eine gute Sache kämpfen kann, dann wird alles andere hintangestellt. Zur Not eben auch die eigene Freiheit.

Ihre Liebsten können davon ein Lied singen: nicht nur Gatte Nr. 3, Grady (John Corbett), oder Arbeitgeber Julian Cruz (Andy Garcia), dessen verstorbene Frau Rebels beste Freundin war und der ihr auch ohne Jura-Abschluss einen Job als Rechtsberaterin in seiner Kanzlei gegeben hat, sondern natürlich auch die drei Kinder, die allesamt ein ebenso herzliches wie kompliziertes Verhältnis zu ihrer Mutter haben: Nate (Kevin Zegers), Arzt und Sohn von besagtem Polizisten, Cassidy (Lex Scott Davis), die bei Cruz als Anwältin arbeitet, und Ziggy (Ariela Barer), die jüngste, die gerade erst einen Entzug hinter sich hat, aber ein ähnliches Interesse an Recht und Aktivismus zeigt wie der Rest der Patchworkfamilie, zu der auch die Ermittlerin und Ex-Schwägerin Lana (Tamal Renée Jones) gehört.

Dass »Rebel« in den USA für einen der großen frei empfangbaren Mainstreamsender produziert wurde, ist nicht zu übersehen. Einerseits zieht sich der Fall gegen besagten Konzern durch die gesamte Staffel, andererseits gibt es Woche für Woche einen weiteren Fall, dem sich Rebel mit gleichermaßen patentem wie unorthodoxem Engagement widmet. Sonderlich viel Raum für Überraschungen bietet dieses Erzählschema F der im Grunde austauschbaren »Procedurals« leider nicht.

Reizvoll ist hier letztlich vor allem die Protagonistin selbst, für die sich Showrunnerin Krista Vernoff (»Grey's Anatomy«) vom Leben der Erin Brokovich hat inspirieren lassen. Und zwar nicht von deren jungen Jahren, die Soderbergh in seinem Kinofilm festhielt, sondern von ihrer bis heute anhaltenden Arbeit als Umwelt- und Verbraucherschützerin. Katey Sagal ist die geeignete, weil hinreichend ausstrahlungsstarke Schauspielerin, um die Sache über den Durchschnitt zu heben. Aber im großfamiliären Übermaß an Figuren und Konflikten bleibt ihr dafür am Ende selten genug Zeit.

OV-Trailer

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