Film des Monats Januar »Conducta – Wir werden sein wie Che«

© Kairos Film

Die Jury der Evangelischen Filmarbeit empfiehlt

Bewegung ist das Lebenselixier des elfjährigen Chala: treppauf, treppab, über die Dächer von La Habana Vieja, der hier eher schäbig-verfallenen als pittoresken Altstadt Havannas, zu den Tauben, die er züchtet und in den Himmel wirft, oder den Kampfhunden, die er versorgt und bei ihren blutigen Wettkämpfen als unerwünschter Zeuge beobachtet, und gelegentlich auch in die triste Wohnung, die er mit seiner Mutter teilt, einer drogenabhängigen Gelegenheitsprostituierten. Das sind nicht die besten Voraussetzungen für einen Musterschüler. Aber Carmela, seine Lehrerin, eine Veteranin kurz vor der Pensionierung, kämpft dafür, dass der einfallsreiche Junge an der Schule bleiben kann und nicht in eine Erziehungsanstalt abgeschoben wird, wie es ein an Disziplin mehr als an Verständnis orientiertes Schulsystem und sein mehrheitlich regelfixiertes Personal für angebracht halten. Zwar setzt eine Herzattacke Carmela vorübergehend außer Gefecht. Aber sie ist nicht gewillt, ihren Kampf um eine Schule aufzugeben, die Kindern, statt von ihnen Anpassung zu fordern, Lebenschancen eröffnet.

Mit Studenten und einem offenen Konzept hat Regisseur Ernesto Daranas den Film entwickelt, der in Kuba zu einem Publikumsliebling wurde. Dazu haben sicher nicht nur seine so warmherzige wie mutige Bilderbuchlehrerin und sein quicklebendiger Hauptdarsteller, sondern auch zahlreiche kritische Seitenhiebe beigetragen. Das ungeschönte Bild zerrütteter familiärer Verhältnisse, die schon Kinder zum Broterwerb zwingen, oder eines Erziehungssystems, dessen junge und smarte Repräsentanten methodische Effizienz und Vorschriftsmäßigkeit bis hin zur kleinlichen Beanstandung eines katholischen Heiligenbildchens im Klassenzimmer als Richtlinien ihrer Pädagogik betrachten, bezeugen eine sympathische Parteinahme für die Bedrängten. Eine Fülle von Details, Motiven und Beobachtungen bilden ein dichtes Gewebe, das uns einen realistischen Blick auf den kubanischen Alltag ermöglicht – und noch immer eine Ahnung vom einstigen Schwung eines idealistischen Aufbruchs vermittelt.

Start am 7.1.

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