DVD-Tipp: »Under the Skin«

Trailer englisch © Universum Film

Genre- oder Experimentalfilm? Arthouse oder Camp? Und worum geht es eigentlich genau? Jonathan Glazers »Under the Skin« polarisiert und passt in keine Schublade. Wohl deshalb hat Senator ihn nicht regulär in unsere Kinos gebracht, trotz immenser Festivalresonanz. In ein paar Filmtheatern ist er dennoch zu sehen, und wer ihn da nicht erwischt, kann immerhin auf die feine Blu-Ray oder DVD zugreifen. Die bietet in Interviews mit der Crew eine Menge Aufschlussreiches: über die immens lange Vorbereitungszeit, über versteckte Minikameras und Guerilla-Filmmaking mit Laien und zufälligen Passanten, über die sparsamen, aber verstörenden Special Effects. Ein paar Verständnishilfen zum Plot bieten sie auch – ohne jedoch die mysteriöse Offenheit dieses Werks zu untergraben.

Mit großer Ruhe und wenig Dialog zieht »Under the Skin«, eine freie Adaption von Michel Fabers Roman »Die Weltenwanderin«, den Zuschauer in die Perspektive eines außerirdischen Wesens, das menschliche, weibliche Gestalt annimmt und mit einem Van durch Schottland fährt, auf der Jagd nach Männern, die von jener fremden Rasse »verwertet« werden. Wie genau und warum, das bleibt so rätselhaft wie die Szenerien, die die Welt der Außerirdischen repräsentieren.

»Under the Skin« ist ein Film, der auf hypnotische Weise mit Gegensätzen arbeitet: mit visueller Pracht und Reduktion, mit dokumentarisch anmutendem Realismus und Abstraktion, mit einer ganz stringenten Erzählung, die das meiste offenlässt. Glazer lässt uns in Abgründe kalten Horrors tauchen, um dann mit zärtlichen Momenten zu berühren. Schon die Besetzung ist ein Coup: Wer könnte auf entlegenen Highland-Straßen fremdartiger wirken als der Hollywoodstar Scarlett Johansson mit schwarzer Perücke und Pelzjacke? Während dieses fremde Wesen sich dem Menschlichen immer mehr annähert, ohne doch selbst Mensch werden zu können, wird der Blick des Zuschauers auf seine Artgenossen immer fremder – eine bizarre, ergreifend schöne Erfahrung. Mit diesem, sagen wir mal: »philosophischen Experimentalgenrefilm « ist Glazer etwas ganz und gar Außergewöhnliches gelungen.

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