DVD-Tipp: »Unsere Mütter, unsere Väter«

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Realistisches Kriegsstück – Der TV-Erfolg ist auch auf Blu-Ray erschienen

Im Mittelpunkt des ZDF-Dreiteilers stehen diesmal nicht Täter, Widerstandskämpfer oder historische Mythenträger. Erzählt wird die erstaunlich komplexe Geschichte von fünf Freunden zwischen dem Sommer 1941 und der deutschen Kapitulation. Wilhelm (Volker Bruch) und Friedhelm (Tom Schilling) sind zwei ungleiche Brüder, die an die Front im Osten ziehen. Viktor (Ludwig Trepte) bleibt als Jude in Berlin zurück und wird verfolgt. Seine Freundin Greta (Katharina Schüttler) macht als Sängerin bei den Nazis Karriere, und die Jüngste, Charlotte (Miriam Stein), nimmt als Krankenschwester am Krieg teil.

Gegenüber den deutschen Hauptfiguren nimmt der Dreiteiler eine differenzierte Haltung ein. Wilhelm, der Mustersoldat, muss in Russland auch unmenschliche Befehle ausführen, sein Bruder Friedhelm lernt das erbarmungslose Töten. Charlotte denunziert eine Jüdin, und Greta steigt mit einem Obersturmbannführer ins Bett. Das Ganze ist nicht nur hervorragend gespielt, sondern in der drastischen Darstellung von Kriegsgräueln auch ungewöhnlich für die deutsche Fernseh-Primetime. Die 14 Millionen Euro teure Produktion verfügt über Kinoqualitäten, leistet sich aber auch dramaturgische Schwächen. Die Rote Armee wird hauptsächlich als ein wilder Haufen von Vergewaltigern dargestellt. Man bemüht die üblichen SS-Nazibösewichter in Nebenrollen, und besonders fragwürdig ist es, die Soldaten der polnischen Heimatarmee ausschließlich als fanatische Antisemiten darzustellen. Der Ärger in Polen über diese doch sehr einseitige Darstellung ist nachvollziehbar. Auch im Bonusmaterial, den bereits im Fernsehen gezeigten ZDF-Dokus, wird diese Haltung nicht relativiert, sondern nur auf die rein jüdische Partisanengruppe der Bielski-Brüder hingewiesen. Interessanter sind dann die Interviews mit überlebenden Deserteuren, die wie Wilhelm im Film in die berüchtigten Strafbataillone gerieten. Dort betrug die Überlebensrate zwei Prozent.

Drehbuchautor Stefan Kolditz und der erst 38-jährige Regisseur Philipp Kadelbach haben inhaltlich und künstlerisch Fernsehneuland betreten, sich ganz bewusst an amerikanischen Vorbildern orientiert.

 

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