Schluss mit lustig!

Unsere "steile These" des Monats September
»Star Wars: Die letzten Jedi« (2017). © Walt Disney

»Star Wars: Die letzten Jedi« (2017). © Walt Disney

Erinnern wir uns: »Star Wars 8«, der Anfang. Nach unglaublichen Strapazen, blutigen Kämpfen und einer epischen Reise steht Rey vor Luke Skywalker, um ihm sein Lichtschwert zu übergeben. Ein feierlicher, erhabener Moment. Und dann das: Luke wirft das Schwert achtlos hinter sich die Klippen hinunter. Kurz darauf sieht man ihn beim Melken einer riesigen Alien-Kuh – in Nahaufnahme. Der böse General Hux wird währenddessen vom Rebellen Poe Dameron mit »Deine Mutter«-Witzen hingehalten. Das Publikum lacht, die Spannung ist raus.

Nichts gegen einen guten Witz zwischendurch, »Star Wars« lebte stets vom kindlichen Charme. Die immer ungehemmteren Gagfeuerwerke für eine Generation, der nur eine zehnsekündige Aufmerksamkeitsspanne zugetraut wird, schaden den ernsten Szenen allerdings genauso wie den komischen. Das gilt nicht nur für »Star Wars« – der Witzevirus hat das gesamte Blockbusterkino infiziert. Kurzweilige Belustigung schlägt spannende Erzählung. In Steven Spielbergs »Ready Player One« ist es Ben Mendelsohn, der als Schurke zur Lachfigur verkommt und nur insofern eine Bedrohung darstellt, als man bei jeder Szene mit ihm fürchtet, wieder einen schlechten Witz ertragen zu müssen. Die ­Marvel-Filme haben nie Christopher Nolans ernster »Batman«-Trilogie nachgeeifert; Taika Waititis »Thor: Tag der Entscheidung« hat dann mit seinem Pennälerhumor in Quatsch-Comedy-Club-Art aber selbst ­treueste Fans entnervt.

Übrigens löst die Qualität des Humors das Problem nicht. Schon ein deplatzierter Witz kann für eine ironische Brechung sorgen und die erzählte Welt aus den Angeln heben. Die Figuren des Films werden dekonstruiert, jede dramatische Fallhöhe wird aufgehoben, die Atmosphäre ist zerstört. Schade ist auch, dass all das den Fanfilmen den Boden entzieht. Der Witz von Parodien und YouTube-Videos mit ­Zusammenschnitten unfreiwillig komischer Szenen und Sprüchen funktioniert nur, wenn das Original es ernst meint. Aber wer weiß: Vielleicht wird die von selbstironischen Filmen übersättigte Generation ja nun ernste Fanfilme produzieren? Eines ist sicher: Nicht nur in »Star Wars« ist es Zeit für eine Revolution.

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